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18.04.2022
Bio Marché 2022 im Juni in Zofingen

Der Bio Marché ist das führende Schweizer Biofest und eine einmalige Mischung aus Markt, Festival und nationaler Bio-Plattform. Vom 17. bis 19. Juni 2022 in der Altstadt von Zofingen.
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FORSCHUNG: Hohe CO2-Emissionen durch Fern-Transporte

Viele unserer Lebensmittel sind importiert und stammen teils von weit her. Doch gerade deren Transport ist für einen überraschend grossen Anteil der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, wie eine neue australische Studie enthüllt. Demnach erzeugen die inter/nationalen Transporte von Obst, Gemüse, Getreide, Fleisch und Co einen CO2-Ausstoss von weltweit rund drei Gigatonnen, dies entspricht rund 30% der gesamten Emissionen der Nahrungsproduktion ohne die Landnutzung. Diese Werte sind nicht nur deutlich höher als zuvor geschätzt, sie liegen auch deutlich höher als beim Transport anderer Waren. Eine stärker regional ausgerichtete Ernährung könnte dem Klima daher einiges bringen.

Unsere Ernährung beeinflusst nicht nur unsere Gesundheit, sondern hat auch Folgen für die globale Umwelt und Klima. Denn für den Anbau von Nahrungspflanzen und Tierfutter werden Wälder und andere natürliche Landschaften verändert, was ihre Fähigkeit zur CO2-Aufnahme beeinträchtigt. Die Verarbeitung der Lebensmittel und ihr Transport verbrauchen Energie und erzeugen Treibhausgas-Emissionen. Durch die zunehmende Globalisierung der Handelsketten werden dabei die Transportstrecken zunehmend länger, zudem erfolgt die Produktion der Lebensmittel dadurch oft in Gebieten, die beispielsweise wegen Wasserknappheit eigentlich nicht für den intensiven Anbau geeignet sind. Unter anderem deshalb rufen Klima- und Naturschützer schon länger zu einem stärker regionalen Konsum auf.

Transportemissionen höher als in jedem anderen Sektor

Welche Rolle der Transport von Lebensmitteln von ihren Erzeugungsorten zu den Konsumenten für die Ökobilanz des Nahrungsmittelbereichs spielt, haben nun Mengyu Li von der University of Sydney und ihre Kollegen näher untersucht. Dafür entwickelten sie ein Computermodell, das auf Basis von globalen und nationalen Daten zu Lieferketten, Emissionen und Transportwegen das weltweite Handelsnetz für Lebensmittel rekonstruiert. Anhand dieses Modells ermittelten die Wissenschaftler die CO2-Bilanz und Transportstrecken für Lebensmittel global und in 74 Ländern, für 37 verschiedenen Wirtschaftssektoren und vier Transportarten.

Die Auswertung ergab, dass der Nahrungssektor insgesamt für etwa 15,8 Gigatonnen CO2 pro Jahr verantwortlich ist, das entspricht rund 30 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Dabei sind die Klimaauswirkungen der Landnutzungsänderungen für die Landwirtschaft noch nicht mit einbezogen, wie die Forscher erklären. Von diesen Nahrungsmittel-bezogenen Emissionen wiederum entfallen rund drei Gigatonnen allein auf den nationalen und internationalen Transport von Lebensmitteln.

„Dieser Wert liegt 3,5- bis 7,5-mal höher als frühere Schätzungen“, berichten Li und ihre Kollegen. Gleichzeitig ergaben die Vergleichsanalysen, dass der Transport im gesamten Treibhausbudget der Lebensmittelproduktion damit 30 Prozent ausmacht, rechnet man die Landnutzungs-Effekte hinzu, sind es 19 Prozent. „Damit liegen die Transportemissionen im Lebensmittelbereich weit über denen anderer Güter: Im Allgemeinen ist Fracht nur für rund sieben Prozent der CO2-Bilanz der Industrie und Güterproduktion verantwortlich“, erklärt das Team.

Vor allem reiche Länder treiben den Lebensmittel-Ferntransport

Besonders gross ist der CO2-Ausstoss den Daten zufolge bei Obst und Gemüse: Weil sie schwer sind, oft über weite Strecken transportiert und dabei gekühlt werden müssen, schlägt der Transport bei diesen Lebensmitteln überproportional stark in der Treibhausgasbilanz zu Buche. „Der Transport von Gemüse und Früchten verursacht mehr als eine Verdopplung ihrer produktionsbedingten Emissionen von 0,5 Gigatonnen CO2-Äquivalenten auf 1,1 Gigatonnen jährlich“, berichten Li und ihre Kollegen.

Vergleicht man verschiedene Länder und Regionen, gibt es deutliche Unterschiede in Bezug auf die Transportwege der importierten oder exportierten Lebensmittel und die damit verknüpfte CO2-Bilanz. Demnach haben die USA, China, Indien und Russland den höchsten Anteil an den transportbedingten Emissionen der Lebensmittelindustrie, aber auch kleinere, reiche Länder tragen stark dazu bei: „Die reichsten Länder repräsentieren rund 12,5 Prozent der Weltbevölkerung, sind aber für 46 Prozent der international zurückgelegten Lebensmittel-Kilometer und der damit verbundenen Emissionen verantwortlich“, schreibt das Forschungsteam.

Nach Ansicht der Wissenschaftler sollte für eine klimafreundlichere Nahrungsproduktion daher nicht nur der Fleischkonsum reduziert werden, sondern auch das Ausmass der Ferntransporte von Lebensmitteln. „Bisher lag die Aufmerksamkeit in der Forschung zu einer nachhaltigeren Lebensmittelproduktion vor allem auf dem Vergleich von tierbasierter mit pflanzenbasierter Ernährung“, sagt Lis Kollege David Raubenheimer. „Unsere Studie zeigt nun, dass zusätzlich zur Umstellung auf eine stärker pflanzenbasierte Kost auch der Wandel zu einer stärker regionalen und lokalen Ernährung sinnvoll ist.“

Hier seien neben der Politik und Wirtschaft auch die Verbraucher gefragt: Wenn sie akzeptieren, dass saisonales Obst und Gemüse nicht das ganze Jahr über lokal verfügbar sind, könnte dies viele Ferntransporte solcher Lebensmittel ersparen. Gleichzeitig sei es auch die Aufgabe der Händler, Lebensmittelketten und anderer Anbieter, den Anteil lokal erzeugter Nahrungsmittel in den Läden zu erhöhen und sie für die Kundschaft attraktiver zu machen. „Wenn wir die Haltung und das Verhalten der Einzelnen gegenüber nachhaltiger Ernährung verändern, dann bringt dies der Umwelt in grossem Stil Vorteile“, sagt Raubenheimer. (University of Sydney)
(gb)

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