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KOMMENTAR: Wird Gentechnik salonfähig?

Die Fronten rund um Gentechnologie sind seit jeher verhärtet. Neue gentechnologische Verfahren versprechen nun mögliche Antworten auf drängende Probleme wie Pestizideinsatz, Klimawandel oder Artensterben. Noch ist aber nicht klar, wie die breite Bevölkerung dazu steht.

Seit der Annahme einer entsprechenden Volksinitiative im Jahr 2005 gilt in der Schweiz ein Moratorium für die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in der Landwirtschaft. GVO dürfen hierzulande nur zu Forschungszwecken unter strengen Auflagen angebaut werden.

Es gibt Umfragen, die zeigen ganz deutlich die Zurückhaltung und das Misstrauen gegenüber Gentechnologie in der Landwirtschaft. So zum Beispiel die Taschenstatistik «Umwelt 2020» des Bundesamtes für Statistik. «In dieser Statistik erachteten rund 75 Prozent der Befragten Gentechnik zur Herstellung von Lebensmitteln als sehr gefährlich oder eher gefährlich», sagt Paul Scherer von der Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG). Die Bevölkerung und damit die Kundschaft stehe somit gentechnisch verändertem Essen nach wie vor kritisch gegenüber.

Andere Umfragen zeigen mittlerweile aber auch eine offenere Haltung in Bezug auf den Einsatz von Gentechnologie – besonders was die neueren Verfahren wie Genom-Editierung angeht. Und in vielen Kontakten mit dem breiten Publikum und mit der landwirtschaftlichen Praxis würden sie ausserdem ein grosses Interesse an den neuen Entwicklungen und Möglichkeiten feststellen, sagt Roland Peter, Leiter Pflanzenzüchtung vom nationalen landwirtschaftlichen Forschungsinstitut Agroscope: «Es scheint vor allem bei den jüngeren Generationen weniger Polarisierung bezüglich der neuen Methoden zu geben.»

Allerdings gibt es nach wie vor grosse Wissenslücken – besonders was die neuen Technologien angeht. Die breite Bevölkerung kann sich zum Teil sehr wenig unter Genom-Editierung vorstellen. Um relevante Umfragedaten zu erhalten, müsse darum ein gewisses Mass an Informationen vorhanden sein, damit die Befragten überhaupt bewerten könnten, was sie beantworten sollen, erklärt Angela Bearth, Sozialwissenschaftlerin und Vizepräsidentin des Forums Genforschung an der ETH Zürich: «Um zu beurteilen, wie Schweizer Konsumenten und Konsumentinnen zur Gentechnologie stehen, braucht es dringend neue sozialwissenschaftliche Daten, die der Komplexität des Sachverhalts gerecht werden und einen Dialog, der jenseits der verhärteten Lager stattfinden kann.» (lid)
(gb)

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