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NEWS: Preisschwankungen nicht wegen Nahrungsmittel-Spekulation

Die Preise vieler Agrarprodukte verzeichneten in den vergangenen 15 Jahren grosse Schwankungen auf den internationalen Märkten, zuletzt 2021-2022. Dabei kommt oft die Frage nach der Rolle der Spekulation mit Nahrungsmitteln auf. Gemeint ist die bewusste Übernahme von Risiken mit dem Ziel, damit einen Gewinn zu erzielen, der für die eingegangenen Risiken entschädigt. Eine aktuelle Auswertung der wissenschaftlichen Literatur zeigt: Spekulative Geschäfte auf den Rohstoffterminmärkten spielen keine massgebliche Rolle für die Preissteigerungen.

Zahlreiche Studien kommen sogar zum Schluss, dass Spekulation einen dämpfenden Effekt auf Preisschwankungen hat. Denn Spekulation trägt unter anderem zur Liquidität auf diesen Märkten bei. Die starken Preisschwankungen sind vielmehr auf grundlegende Faktoren wie Wetterextreme (z. B. Dürren oder Überschwemmungen), niedrige Lagerbestände, Exportbeschränkungen und geopolitische Ereignisse wie der Krieg in der Ukraine zurückzuführen.

Auf internationaler Ebene hat sich die Transparenz auf den Märkten für Agrarrohstoffe in den letzten Jahren erhöht, was die Funktionsfähigkeit dieser Märkte verbessert hat. Von Bedeutung ist insbesondere das 2011 auf Initiative der G20 ins Leben gerufene Agricultural Market Information System (AMIS), welches für Weizen, Mais, Reis und Soja zeitnahe Daten über die weltweite Produktion, den Verbrauch, die Lagerbestände und den Handel veröffentlicht, sowie die international abgestimmte Regulierung der Warenterminmärkte, die auch in der Schweiz umgesetzt wurde. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass es in der Schweiz keine Börsen für Agrarprodukte gibt. Diese befinden sich alle im Ausland.

Diese Fortschritte sind begrüssenswert. Dennoch ist davon auszugehen, dass aufgrund realwirtschaftlicher Faktoren die internationalen Preise der Agrarprodukte auch in Zukunft zeitweilig stark schwanken können. Von unilateralen Massnahmen der Schweiz für eine weitere Erhöhung der Transparenz auf den internationalen Märkten rät der Bundesrat ab. Solche Massnahmen hätten unter anderem wegen der Grösse der Schweiz praktisch keine Auswirkung auf die internationale Preisbildung und weisen daher ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis auf.

Der Bundesrat wird sich in den relevanten internationalen Organisationen wie etwa der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), dem International Fund for Agricultural Development (IFAD), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) oder dem Financial Stability Board (FSB) weiterhin für eine Verbesserung der Transparenz einsetzen. Ebenso wird er sich auf multilateraler und bilateraler Ebene für die Stärkung der Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern einsetzen. (Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung GS-WBF)
(gb)

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