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KOMMENTAR: Steuer auf mehrere Risikostoffe statt reine Zuckersteuer

Jan Wolter, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), hat in einem Podcast-Interview mit Diagnose Deutschland eine weitreichende Gesundheitssteuer auf risikoreiche Lebensmittelinhaltsstoffe gefordert. Statt bei einer Zuckersteuer stehen zu bleiben, sollten auch Alkohol, Tabak, hochverarbeitete Lebensmittel, Salz und andere krankmachende Bestandteile steuerlich belastet werden.

Wolter kritisierte die Ablehnung einer Zuckersteuer durch die CDU unter Kanzler Merz scharf. Das Argument der Bevormundung der Bürger nannte er eine hohle Phrase, da der Staat in vielen Bereichen – von Gurtpflicht bis Rauchverbot – regulierend eingreife. Er warnte vor einem zunehmenden Verlust an faktenbasierter Politik und sah darin einen gefährlichen Weg.

Der DGKL-Vorstand betonte, dass ungesunde Ernährung extrem günstig und gesunde Ernährung teuer sei. In Vesperboxen von Kita- und Grundschulkindern fänden sich häufiger Schokoriegel und Chips als Obst und Gemüse. Eine umfassende Steuer auf Risikoinhaltsstoffe solle diesen Preisunterschied korrigieren. Gleichzeitig könnten gesunde Lebensmittel subventioniert und günstiger gemacht werden.

Wolter verwies auf Studien, wonach in Europa jährlich 1,55 Millionen Menschen an Folgen von Fehlernährung sterben. In Deutschland und Europa entstünden dadurch enorme Kosten: Rund ein Drittel der Herz-Kreislauf-Todesfälle hänge mit Fehlernährung zusammen, aktuelle Schätzungen bezifferten allein die Umwelt- und Gesundheitskosten durch Fehlernährung auf fast 50 Milliarden Euro – ohne Tabak und Alkohol.

Die Einnahmen aus einer solchen Gesundheitssteuer sollten nicht dem Staatshaushalt zufliessen, sondern für die Förderung gesunder Ernährung genutzt werden – etwa durch günstigere gesunde Produkte, bessere Schulkantinen oder Aufklärungskampagnen. Wolter kritisierte, dass derzeit Gewinne privatisiert, aber Folgekosten – von Umweltbelastungen über Antibiotikaresistenzen bis zu Gesundheitsschäden – sozialisiert würden.

Zur Akzeptanz in der Bevölkerung erklärte er, dass die Frage entscheidend sei, wie sie gestellt werde. Eine direkte Verteuerung ungesunder Produkte stosse auf Ablehnung, eine Umformulierung mit Blick auf explodierende Gesundheitskosten und Entlastung durch günstigere gesunde Alternativen hingegen auf Zustimmung. (Markus Wolters Geschäftsstelle Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin e. V.)
(gb)

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