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KOMMENTAR: USA stellt Ernährungspyramide auf den Kopf



Neue Ernährungs-Pyramide der USA


Was macht eine Pyramide stabil? Ein breites Fundament, wie beispielsweise bei der Ernährungspyramide des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) und auch der Schweiz. Sie hilft bei einer gesundheitsförderlichen Lebensmittelauswahl, damit ein erwachsener gesunder Mensch gut mit Nährstoffen versorgt wird. Und sie ist ein bewährtes Instrument in der Ernährungskommunikation und -beratung. Schliesslich kennt jeder Mensch Pyramiden und weiss, wie das Prinzip funktioniert. Unten breit und oben spitz.

In den USA steht seit Anfang Januar 2026 die grafische Darstellung der aktualisierten Ernährungsempfehlungen in Form einer Pyramide auf dem Kopf. Damit ähnelt sie zumindest auf den ersten Blick der Visualisierung („inverted pyramid“), die in Belgien (Flandern) seit 2017 verwendet wird. Aber nicht nur durch die neue Form erfährt die neue U.S.-Ernährungspyramide mediale Aufmerksamkeit.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) erstellt die wissenschaftlich fundierten, lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen für Deutschland. Die Fachgesellschaft sieht Widersprüche zwischen der neuen U.S.-Ernährungspyramide und den damit verknüpften Empfehlungen: „So empfehlen die neuen Botschaften den täglichen Verzehr von zwei bis vier Portionen Vollkornprodukte. Die Platzierung dieser Lebensmittelgruppe in einem vergleichsweisen kleinen Segment in der Pyramide suggeriert jedoch eine geringere Bedeutung“, formuliert es die DGE in einem Statement.

Auch kritisiert die DGE die Intransparenz zwischen wissenschaftlichen Grundlagen und Empfehlungen. Zwar werde bei jeder Aktualisierung ein ausführlicher evidenzbasierter Bericht von renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erstellt. Unklar bleibe jedoch, wie die wissenschaftlichen Grundlagen konkret in die aktualisierten amerikanischen Empfehlungen übersetzt würden. Inwieweit der Aspekt Nachhaltigkeit in die Empfehlungen eingeflossen ist, sei ebenfalls nicht zu erkennen, so die DGE weiter.

In der grafischen Darstellung der neuen Empfehlungen stehen zudem proteinliefernde – vor allem tierische – Lebensmittel ganz oben. Protein als energieliefernder Nährstoff fällt mit einer Empfehlung von bis zu 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht in den Richtlinien auf. Das ist eine Verdopplung der bisherigen Empfehlung und auch des deutschen Wertes. Laut DGE gebe es aber keine Hinweise auf einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen durch eine dauerhaft höhere Proteinzufuhr.

Gleichzeitig macht die deutsche Fachgesellschaft darauf aufmerksam, dass die „Dietary Guidlines for Americans“ durchaus auch Parallelen zu den Ernährungsempfehlungen der DGE für Deutschland beinhalten. Dazu zähle unter anderem der Fokus auf Vollkornprodukten, Obst und Gemüse, ungesüssten Getränken wie Wasser sowie die Empfehlung, den Verzehr zugesetzter Zucker und alkoholischer Getränke zu begrenzen und Über- als auch Untergewicht zu vermeiden. Die Ernährungspyramide des Bundeszentrums für Ernährung bildet die speziell für Deutschland entwickelten Empfehlungen der DGE anschaulich ab. Dieses Modell hat sich in der Ernährungskommunikation, -bildung und -beratung bestens bewährt. (BZfE)
(gb)

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