Foodfachzeitung im Internet
Samstag, 22. Juni 2024
Tipp
19.05.2024
SÜFFA-Messe 2024 mit frischen Ideen am Start

Neues und Bewährtes, immer „100 Prozent saustark”: Die 27. Ausgabe der Stuttgarter Metzgerei-Fachmesse ist Branchentreff, Wissensbörse und Event: 28.-30.9.2024
News, Tipps, …
Druckansicht24.05.2024
KOMMENTAR: Chancen für Laborfleisch und veganen Fleischersatz

Haben zelluläres Fleisch und pflanzliche Alternativen eine Chance bei den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten? Kommentar von Christine Schäfer, Senior Researcherin und Referentin am Gottlieb Duttweiler Institut GDI.

Konsumenten essen nach wie vor gerne Fleisch. Die pflanzlichen Ersatzprodukte, von denen ich das Gefühl habe, dass sie eigentlich schon sehr weit verbreitet sind, werden von vielen skeptisch betrachtet, obwohl sie mittlerweile schon dazugehören und in Restaurants auch angeboten werden. Viele der Befragten sagten, dass sie es nicht einmal probieren wollten. Zellkultiviertes Fleisch ist für viele noch sehr fremd. Ich möchte anfügen, dass es für Konsumentinnen und Konsumenten sehr schwierig ist, ein Produkt zu bewerten, das sie gar nicht kennen können, weil es schlichtweg noch nicht auf dem Markt ist.

Sollte die regulatorische Zulassung für zellkultiviertes Fleisch einmal kommen, wird es wahrscheinlich über die Gastronomie zu den Konsumentinnen kommen. Am Anfang vielleicht noch teuer, aber später, wenn die Produktionskosten sinken, wird es über Fast-Food-Ketten die breite Bevölkerung erreichen. Also letztlich die gleiche Entwicklung, die wir bei pflanzlichen Alternativen gesehen haben. Zuerst hat man mit der Sterneküche zusammengearbeitet. Dann haben Fast-Food-Ketten wie McDonald’s und Burger King die Produkte in ihr Sortiment aufgenommen.

Dies stimmt für die Schweiz und Europa aber wie sieht es global aus? So konkret haben wir das am GDI nicht erhoben. Aber letztendlich leben wir in einer globalisierten Welt, wo sich die Bedürfnisse und Trends ein Stück weit angleichen. Klar, wenn man jetzt irgendwo auf der Welt lebt, wo man erst mal schauen muss, dass man genügend Kalorien und frisches Trinkwasser hat, dann haben wir natürlich ganz andere Themen, die uns beschäftigen. Bei uns geht es um Selbstoptimierung, Datenanalyse und Klimaschutz. Wir versuchen auch zu schauen, was auf globaler Ebene passiert. Im letzten European Food Trends Report haben wir Themen wie Agrarökologie, Kreislaufwirtschaft, True Cost of Food und Ernährungssouveränität behandelt.

Das sind alles Themen, die auch in Entwicklungs- und Schwellenländern sehr wichtig sind. Gerade in diesen Ländern geht es darum, nicht zu abhängig von grossen Agrarunternehmen und dem globalisierten Welthandel zu werden. Die Elfenbeinküste beispielsweise ist eines der wichtigsten Produktions- und Exportländer für Kaffee und Kakao. Um den Bedarf der eigenen Bevölkerung zu decken, müssen Grundnahrungsmittel wie Reis oder Weizen importiert werden. Fällt diese Importmöglichkeit weg, wie zum Beispiel die Weizenimporte aus der Ukraine, ist die Ernährungssicherheit in der Elfenbeinküste gefährdet.

Langfristige Trends

Gerade im Bereich Fleisch kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es in Zukunft verstärkt eine Zweiteilung des Marktes geben wird. Man wird weiterhin tierische Produkte kaufen können. Gerade auch, weil wir in der Schweiz landwirtschaftliche Flächen haben wie unsere Berggebiete, die nicht anders genutzt werden können als für die Viehwirtschaft. Dieses Fleisch wird dann aber teurer, zum wahren Preis, erhältlich sein. Das heisst, Fleisch wird eher zu einem hochpreisigen Nischen- bis Luxusprodukt. Dafür werden aber auch die allerhöchsten Qualitäts- und Tierwohlstandards erfüllt. Der Massenmarkt – was heute industriell produziertes Fleisch ist – wird hingegen mehrheitlich durch Alternativen gedeckt.

Durch fortschreitende Entwicklungen und Innovationen im Bereich der Fleischalternativen wird es in Zukunft wahrscheinlich auch immer schwieriger zwischen tierischem Fleisch, welches heute von vielen Konsumentinnen und Konsumenten als natürlich, und dem Ersatzprodukt, welches als unnatürlich wahrgenommen wird, zu unterscheiden. Wenn dann Geschmack, Konsistenz und Preislevel von tierischem Fleisch und Alternative fast deckungsgleich sind, wird es wahrscheinlich richtig schwierig zu rechtfertigen, dass man Tiere für das Fleisch töten muss.

Ich glaube, dass wir dann an einen Punkt kommen, wo der breite Massenmarkt durch Alternativen gedeckt wird, und dass es weiterhin noch Fleisch gibt, aber, wie bereits erwähnt, dass es nur noch ein sehr kleiner Nischenmarkt ist. Und das bedingt dann natürlich auch eine Umstellung der Landwirtschaft, zu weniger Tierhaltung und mehr Anbau von Nahrungsalternativen. Je nach Perspektive, also aus welchem Sektor man kommt, ist das eine mögliche Zukunftsvision, eine Utopie oder eine Dystopie. Aber ja, ich denke, schlussendlich geht es wieder zurück zu dem, was unsere Grosseltern-Generation gekannt hat: Einen Sonntagsbraten und unter der Woche fleischlos. (LID / Christine Schäfer, Senior Researcherin und Referentin am Gottlieb Duttweiler Institut GDI)
(gb)

News, Tipps, … – die neuesten Beiträge
21.06.2024
dNEWS: die offiziell besten Bioprodukte 2024
18.06.2024
dFORSCHUNG: Mann-Frau-Unterschiede beim Fleischkonsum
17.06.2024
dTIPP: Erdbeeren zu pikanten Produkten verarbeiten
16.06.2024
dKOMMENTAR: Influencer werben für ungeeignete Kinderlebensmittel
13.06.2024
dTIPP: Spargeln und Rhabarber vor Saisonende einfrieren
11.06.2024dFORSCHUNG: Bei Zöliakie macht Gluten den Darm zu durchlässig
10.06.2024dWISSEN: Wie ungesund sind Nitrate wirklich?
09.06.2024dFORSCHUNG: gesündere, nachhaltigere Schokolade entwickelt
06.06.2024dNEWS: Bäckerkrone 2024 geht an «Piraten-Bäckerei»
04.06.2024dTIPP: Wasserglacé, Sorbet, Frozen Joghurt - do it yourself
03.06.2024dTREND: Konsum von Schweine-Frischfleisch geht zurück
02.06.2024dTIPP: Auberginen mit Schale aber nicht roh essen
30.05.2024dNEWS: Schweizer Salzkonsum immer noch 75% zu hoch
28.05.2024dTIPP: Food Festival Zürich 6.-16.6.2024
27.05.2024dWISSEN: Chilischärfe vermutlich herzschonend aber kaum antibakteriell
26.05.2024dTIPP: Eiweissbedarf pflanzlich decken mit den richtigen Kombinationen
24.05.2024dKOMMENTAR: Chancen für Laborfleisch und veganen Fleischersatz
21.05.2024dTIPP: Bohnenkraut nicht nur für Bohnen
20.05.2024dWISSEN: Die wichtigsten Hefearten
16.05.2024dNEWS: Damian Müller wird Präsident des Fleischfachverbandes
14.05.2024dNEWS: Bioproduktion liegt auch 2023 im Trend
13.05.2024dTIPP: Selbstgebackenes Brot vom Grill
12.05.2024dKOMMENTAR: wichtigste aktuelle Themen und Trends der Ernährung
09.05.2024dWISSEN: Warum Vollkorn gesund ist – nicht nur Brot
07.05.2024dTIPP: Solanin in Kartoffeln, Tomaten und Auberginen vermeiden
06.05.2024dKOMMENTAR: Laborfleisch künftig vom Bauernhof?
02.05.2024dFORSCHUNG: Ernährungs- und Klimainfos beeinflussen Fleischkonsum kaum
30.04.2024dTIPP: Liebstöckel – verkanntes Küchenkraut
29.04.2024dWISSEN: Biersorten und ihre Herstellung
28.04.2024dKOMMENTAR: Wie (un)gesund sind hochverarbeitete Bioprodukte?
Ecke für Profis
20.06.2024
.CONFISERIE: «Gesunde» Süsswaren weiterhin im Trend

Süsswaren sind und bleiben beliebte Genussprodukte, aber die vielfältigen Zusatznutzen stehen weiterhin im Zentrum des Marketings, vor allem Gesund-Positionierungen.
©opyrights ...by ask, ralph kradolfer, switzerland