Foodfachzeitung im Internet
Montag, 26. Februar 2024
Tipp
04.02.2024
Messtechnik im Fokus der Anuga FoodTEc 2024

Die Technikmesse rückt smarte Sensorik und Automation für die Lebensmittelindustrie in den Fokus: 19. - 22. März 2024 in Köln
News, Tipps, …
Druckansicht03.12.2023
KOMMENTAR: Kaviar von Wildstören meistens illegal oder gefälscht

Wilder Kaviar aus fast allen Herkunftsgebieten ist seit Jahrzehnten illegal, da die Überfischung die Störe an den Rand des Aussterbens brachte. Heute darf Kaviar fast ausschliesslich von gezüchteten Stören stammen und es gelten strenge Vorschriften zum Schutz der Störe. Mittels Gen- und Isotopenanalysen von Störproben aus Bulgarien, Rumänien, Serbien und der Ukraine – Ländern, die noch wilde Störpopulationen in der Donau beherbergen – fand ein internationales Team jedoch Beweise, dass diese Vorschriften aktiv gebrochen werden. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die Hälfte der untersuchten Kaviar- und Störfleischproben illegal sind und einige nicht einmal eine Spur von Stör enthalten.

„Der Erhaltungszustand der Störbestände in der Donau ist kritisch, daher ist jedes einzelne Exemplar wichtig für ihr Überleben. Die beobachtete Intensität der Wilderei untergräbt jedoch jegliche Schutzbemühungen“, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Arne Ludwig vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW).

„In der Donau kommen heute noch vier Störarten vor. Alle vier Arten sind seit 1998 durch das Washingtoner Artenschutzabkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten, freilebenden Tier- und Pflanzenarten (CITES) geschützt“, sagt Ludwig. „Im Jahr 2000 wurde ihre CITES-Listung durch ein strenges internationales Kennzeichnungssystem für alle Kaviarprodukte ergänzt, welches den illegalen Handel unterbinden sollte.“ Trotz dieser Schutzmassnahmen sei aus lokalen Erzählungen bekannt, dass es immer noch illegalen Fang von wilden Stören gebe, so das Team. Systematische Untersuchungen zu diesen Verdachtsfällen habe es bislang aber nicht gegeben.

Um herauszufinden, woher die Produkte stammen, kauften die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowohl online als auch persönlich Kaviar und Störfleisch aus einer Vielzahl von Quellen – darunter lokalen Märkte, Geschäfte, Restaurants, Bars und Aquakulturanlagen. Sie untersuchten zudem fünf Proben, die von Behörden beschlagnahmt wurden. Insgesamt analysierte das Team das Erbgut sowie die Isotopenmuster von 149 Proben. 21 Prozent der Proben stammten von gewilderten Stören.

Produkte aus wilden Stören wurden in allen vier Ländern illegal gehandelt. Weiterhin verstiessen 11 Prozent der Proben gegen die CITES-Bestimmungen und EU-Handelsgesetze – darunter Kaviar, bei dem die falsche Störart oder das falsche Herkunftsland angegeben war. Insgesamt 32 Prozent der Proben wurden als „Kundenbetrug“ eingestuft – beispielsweise Proben, die als Wildprodukte deklariert waren, aber aus Aquakulturen stammten. Drei der Proben, die in Rumänien als „Störsuppe“ serviert wurden, enthielten keinerlei Störfleisch.

„Unsere Ergebnisse deuten auf eine anhaltende Nachfrage nach Produkten aus wildlebenden Stören hin, was alarmierend ist, da diese Produkte die Bestände wildlebender Störarten gefährden“, sagt Jutta Jahrl, Managerin des Projekts „Life for Danube Sturgeons“ beim WWF Österreich. „Die anhaltende Nachfrage fördert die Wilderei und deutet darauf hin, dass die Verbraucher Aquakulturprodukte nicht als vollständigen Ersatz akzeptieren. Darüber hinaus stellt der Verkauf von Kaviar, der gegen die CITES- und EU-Verpflichtungen verstösst, die Wirksamkeit der Kontrollen im Allgemeinen und des Kennzeichnungssystems im Besonderen in Frage.“

Das Autorenteam vermutet, dass das grosse Ausmass der illegalen Fischerei auch ein Indikator dafür ist, dass es den lokalen Fischern an angemessenen Einkünften mangelt. Dies könnte den Druck erhöhen, sich an Wilderei zu beteiligen. Sie weisen in ihrem Beitrag in der Fachzeitschrift auch darauf hin, dass es in diesen Regionen offenbar an einer wirksamen Kontrolle und Strafverfolgung mangelt, entweder weil die Unterbindung der Wilderei für die lokalen Behörden keine Priorität habe oder weil sie nicht über die notwendigen Mittel verfügten, um die Illegalität der Herkunft eines Fisches nachzuweisen.

Unabhängig von den Gründen betonen sie, wie wichtig es ist, schnell zu handeln: „Obwohl Wilderei und illegaler Wildtierhandel oft als Probleme von Entwicklungsländern angesehen werden, belegen diese Ergebnisse, dass auch in der EU und in Ländern, die als Beitrittskandidaten behandelt werden, gewildert wird“, schreibt das Team. „Die Kontrolle des Kaviar- und Störhandels in der EU und den Beitrittskandidaten muss dringend verbessert werden, um sicherzustellen, dass die Bestände der Störe in der Donau eine Zukunft haben.“ (Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Leibniz-IZW)
(gb)

News, Tipps, … – die neuesten Beiträge
26.02.2024
dTIPP: exotische Physalis richtig verarbeiten
24.02.2024
d NEWS: Sieger des Schweizer Schnapspraliné-Wettkampfes
22.02.2024
dWISSEN: Zucker bietet viel mehr als nur Süsse
20.02.2024
dTIPP: vielseitige Rande - mit Carpacciorezept
19.02.2024
dNEWS: Schweizer Feldversuch mit genomeditierter Gerste startet
18.02.2024dKOMMENTAR: Nutri-Score besser an Ernährungsempfehlungen angepasst
15.02.2024dFORSCHUNG: Foodwaste für Schweinefutter statt Biogas
13.02.2024dWISSEN: Heute ist Schüblig-Ziischtig im Kanton Zürich
12.02.2024dTIPP: aromatische Toggenburger Schafenbirne
11.02.2024dNEWS: Bell wächst und gewinnt Marktanteile
08.02.2024dNEWS: Erstmals mehr Käse importiert als exportiert
06.02.2024dKOMMENTAR: Wachstumsmarkt «kultiviertes Fleisch»
05.02.2024dWISSEN: Würziger gesunder Lauch
01.02.2024dTIPP: Kardamomgewürz für Süsses und Pikantes
30.01.2024dTREND: mildsüssliche asiatische Enoki-Pilze
29.01.2024dWISSEN: Lektinhaltige Hülsenfrüchte richtig verarbeiten
28.01.2024d FORSCHUNG: Canzerogenität von verarbeitetem rotem Fleisch
23.01.2024dTIPP: zwei parallele Süsswarenmessen in Köln 28.-31.1.2024
22.01.2024dTIPP: Papaya richtig verarbeiten - auch ihre Kerne
20.01.2024dTIPP: GLUG24, Getränke-Fachmesse 1.+2.Febr in Aarau
18.01.2024dNEWS: Migros im 2023 stark gewachsen
16.01.2024dKOMMENTAR: Nutri-Score für alle Hersteller vorschreiben
15.01.2024dTIPP: süss-herber Piment für winterliche Gerichte
14.01.2024dWISSEN: Gesunde Zwiebel als Universalgewürz
11.01.2024dSAISON: Palmkohl als einheimischer Winter-Superfood
09.01.2024dTREND: Die wichtigsten Innovationstrends 2024
08.01.2024dKOMMENTAR: Laborfleisch als nächste Stufe alternativer Proteine
06.01.2024dNEWS: Bio-Rekord und mehr Umsatz 2023 bei Coop
04.01.2024dTIPP: Neue Schweizer Käsemesse CHEESEAFFAIR 2024
02.01.2024dKOMMENTAR: Gesundheitsrisiken stark verarbeiteter Lebensmittel
Ecke für Profis
23.02.2024
.DETAILHANDEL: Biofachmesse im Rückblick: Die besten Bioprodukte

Mitte Februar traf sich die internationale Bio-Lebensmittel- und Naturkosmetik-Community in Nürnberg an der BIOFACH und VIVANESS. Rückblick und Gewinner des Best New Product Award.




Navigations-Tipp:
Für die Smartphone-Ansicht klicken Sie auf Druckansicht.



©opyrights ...by ask, ralph kradolfer, switzerland