Foodfachzeitung im Internet
Mittwoch, 15. April 2026
News, Tipps, …
Druckansicht05.05.2020
KOMMENTAR: Gewinner und Verlierer in der Coronakrise

Der Absatz von landwirtschaftlichen Gütern zeigt durch die Corona-Krise in der Schweiz eine ganz unterschiedliche Entwicklung. Durch vermehrten Heimkonsum und den wegfallenden Einkaufstourismus herrscht eine hohe Nachfrage im Detailhandel und Hofläden haben Hochkonjunktur. Gleichzeitig ist der Gastronomie-Kanal inklusive Hotellerie als Folge der Restaurantschliessungen quasi zum Erliegen gekommen.

Der Milchverarbeiter Emmi bekommt diese Entwicklungen zu spüren. „Produkte für die heimische Küche sind stärker nachgefragt, bei Gastronomieprodukten wie zum Beispiel Kaffeerahmportionen sowie Fabrikate für den Unterwegskonsum ist die Nachfrage allerdings stark gesunken“, sagt Mediensprecherin Sibylle Umiker auf Anfrage.

Auch bei Mooh, der Vermarktungsorganisation von mehr als 4000 Schweizer Milchbauern, spricht man von ähnlichen Trends. So sei die Nachfrage von Butter und Käsespezialitäten dank höherem Heimkonsum gestiegen, erklärt der Verkaufsleiter René Schwager. In der Schweiz sei für den Milchmarkt der Detailhandel wichtiger als die Hotellerie und Gastronomie, international variiere das aber von Land zu Land, so Schwager. Im inländischen Detailhandel erwartet er einen Einbruch des Aufwärtstrends nach Ostern: „Bis dann haben wohl alle ihre Hamstereinkäufe getätigt.“

Im Exportgeschäft ist die Lage hingegen schwieriger einzuschätzen. Mooh stellt international einen massiven Preiseinbruch beim Magermilchpulver fest. Die Gründe dafür könne er nicht abschliessend beurteilen, sagt René Schwager. „Der Preis von Magermilchpulver ist vom Weltmarkt abhängig. Aufgrund der Corona-Krise wird international eine Wirtschaftskrise befürchtet. Das drückt auf den Preis.“ Hinzu kommt, dass mit der Schliessung von Verarbeitungsbetrieben im Ausland die Nachfrage nach Magermilchpulver und Käse für die Weiterverarbeitung ausbleibt.

China und Italien: Einbruch bei Ausser-Haus-Produkten

Vor allem in China und Italien tätig, spürt Mooh den Nachfragerückgang im Segment Hotel-, Gastronomie- und Catering, dem sogenannten Horeca-Bereich. „Dieser Markt ist in China seit Anfang 2020 praktisch bei null. Weil der klassische Lebensmitteleinzelhandel ebenso niedriger läuft als zu normalen Zeiten, profitieren wir vom aktuellen Boom des Onlinehandels“, so die Genossenschaft, die mit ihrem Tochterunternehmen Swissmooh in China präsent ist und den Onlinehandel als Hauptabsatzkanal bezeichnet.

In Italien sei die Nachfrage im klassischen Lebensmitteleinzelhandel nach den Hamstereinkäufen eingebrochen. Der Horeca-Bereich sei sofort nach dem Lockdown auf Null gesunken und dementsprechend fallen die Rohstoffpreise tiefer aus. Mooh rechnet damit, dass der Nachfrageeinbruch bis nach den Sommerferien andauern wird, da dieser Vertriebskanal in Italien ein wichtiger Volumenträger sei und Touristen diesen Sommer ihre Ferien wohl woanders buchen würden.

Schweizer Käse auch in der Krise gefragt?

Im Export von Emmentaler, Gruyère und Co. zeichnen sich infolge der Corona-Krise ernüchternde Entwicklungen ab. „Schweizer Käse wird im Ausland grossmehrheitlich im Detailhandel verkauft. Somit ist Emmi dort vom Zerfall der Nachfrage im Horeca-Bereich wenig betroffen“, so die Emmi-Pressesprecherin Umiker.

Im Detailhandel sieht sie allerdings eine Herausforderung auf den Export zukommen: „Schweizer Käse wird aufgrund des steigenden Milchpreises und des starken Schweizer Franken teurer. Ausserdem sind Schweizer Käseprodukte im Ausland im obersten Preissegment positioniert, und in der Krise greifen Konsumenten eher mal zu Standardprodukten“, sagt Sibylle Umiker. Auch Mooh erwartet negative Entwicklungen im Premiumkäse-Segment. „Die Konsequenzen sind generell noch schwierig abzuschätzen, der Wechselkurs hat aber sicherlich einen negativen Einfluss“, schreibt die Genossenschaft.

Gemäss Switzerland Cheese Marketing (SCM) zeichnet sich ein grösserer Fokus auf digitale Massnahmen ab. «Es zeigt sich, dass eine Verschiebung der Aktivitäten vom direkten Marketing im Detailhandel hin zu digitalen Aktivitäten stattfindet», sagt Martin Spahr, Marketingleiter bei SCM. Messen, Degustationen oder andere Marketing-Aktionen für Schweizer Käse wurden im Detailhandel in Frankreich, Italien, Benelux, Spanien, Finnland und Schweden für das Frühjahr 2020 eingestellt respektive verschoben. «Einzige Ausnahme bildet der deutsche Markt, wo das Feldmarketing nach wie vor stattfindet», sagt Martin Spahr von SCM. Man überarbeite aktuell die Marketing- und Kommunikationspläne in sämtlichen SCM-Niederlassungen. (LID)
(gb)

News, Tipps, … – die neuesten Beiträge
13.04.2026
dNEWS: Schweizer Biomarkt ist 2025 weitergewachsen
08.04.2026
dTIPP: Blumenkohl richtig verarbeiten
01.04.2026
dKEIN APRILSCHERZ: Roboter erntet Spargeln (nur reife natürlich)
29.03.2026
dNEWS: Weniger Schweizer Zucker- und Dauerbackwaren verkauft im 2025
24.03.2026
dNEWS: Migros mit deutlich mehr Gewinn im 2025
21.03.2026dNEWS: Weniger Schweizer Schokolade verkauft im 2025
19.03.2026dKOMMENTAR: Schweizer Lebensmittel-Pyramide am Pranger
18.03.2026dKOMMENTAR: Steuer auf mehrere Risikostoffe statt reine Zuckersteuer
16.03.2026dWISSEN: Intervallfasten nützt nicht mehr als andere Diäten
11.03.2026dTREND: vielseitige Süsskartoffel legt stetig zu
05.03.2026d FORSCHUNG: höherer Kaffeekonsum senkt Demenzrisikio
03.03.2026dNEWS: Zürich ist offizielle Genussregion 2026
25.02.2026dTIPP: Wein- und Genussmesse Schlaraffia 5.-8.3.2026
22.02.2026d NEWS: Milchschwemme in der Schweiz
19.02.2026dWISSEN: Weisskabis als Vitaminspender
18.02.2026dKOMMENTAR: Funktionelle Süssigkeiten im Trend aber unnötig
17.02.2026dNEWS: Coop wuchs im 2025 in allen Bereichen
16.02.2026dWISSEN: Ingwer – scharfe Knolle und Arzneipflanze
10.02.2026dNEWS: Migros lanciert «Save Food» gegen Food Waste
06.02.2026dWISSEN: Rande - gesunde Knolle mit Charakter
02.02.2026dTIPP: süss-säuerliche Litschi mit feiner Muskatnote
28.01.2026dKOMMENTAR: USA stellt Ernährungspyramide auf den Kopf
23.01.2026dWISSEN: die süsslichen Karotten sind beliebtestes Gemüse
21.01.2026d TIPP: Exotische Passionsfrucht richtig verarbeiten
17.01.2026dKOMMENTAR: Gibt es gesunde Zuckeralternativen und Süssstoffe?
16.01.2026d FORSCHUNG: Geheimnisse des Schneidens weicher Materialien
12.01.2026dWISSEN: Kichererbse – proteinreich aber giftig wenn roh
09.01.2026dTIPP: Mango gekonnt schälen und schneiden
07.01.2026dNEWS: Coop verzeichnet Umsatzrekord im 2025
06.01.2026dFORSCHUNG: Lebensmittelverteuerung schadet Gesundheit von Kindern
©opyrights ...by ask, ralph kradolfer, switzerland