Foodfachzeitung im Internet
Samstag, 22. Juni 2024
Tipp
19.05.2024
SÜFFA-Messe 2024 mit frischen Ideen am Start

Neues und Bewährtes, immer „100 Prozent saustark”: Die 27. Ausgabe der Stuttgarter Metzgerei-Fachmesse ist Branchentreff, Wissensbörse und Event: 28.-30.9.2024
News, Tipps, …
Druckansicht10.06.2024
WISSEN: Wie ungesund sind Nitrate wirklich?

Nitrate und Nitrite – und insbesondere ihre Verwendung als Lebensmittelzusatzstoffe – haben unter Verbrauchern zu Bedenken hinsichtlich ihres gesundheitsschädlichen Potenzials geführt. Diese Stoffe sind natürlich vorkommende chemische Verbindungen, die Sauerstoff und Stickstoff enthalten. Nitrate sind aufgrund der Luftverschmutzung im Boden, im Wasser, in Pflanzen und in geringerem Masse auch in der Luft vorhanden. Sie können dann von bestimmten Bakterien in der Natur und in unserem Körper zu Nitriten umgewandelt werden.

Beide Verbindungen sind von Natur aus in Obst und Gemüse enthalten und werden in der EU auch völlig rechtmässig als Lebensmittelzusatzstoffe in Form von Natrium- und Kaliumsalz (Nitrit und Nitrat; E 249-252) verwendet. Sie werden häufig zur Haltbarmachung von Fleisch und anderen verderblichen Lebensmitteln verwendet und spielen eine wichtige Rolle bei der Verhinderung von Botulismus.

Gemüse enthält von Natur aus Nitrat – besonders Blattgemüse wie Spinat, Salat und Rucola. Dementsprechend stellt Gemüse unsere Hauptquelle für Nitrat in der Ernährung dar, gefolgt von konserviertem Fleisch und Trinkwasser. Nitrat kann aber auch als Umweltschadstoff (hauptsächlich über Wasser) in die Lebensmittelkette gelangen, da es bei intensiven Anbaumethoden, in der Viehzucht und der Abwasserentsorgung verwendet wird.

Die Hauptquellen von Nitriten in der Ernährung sind dagegen haltbar gemachtes und verarbeitetes Fleisch. Nitrate und Nitritsalze werden Fleisch, Fisch und Käse zur Konservierung hinzugefügt und verhindern das Wachstum von Clostridium botulinum – dem Bakterium, das für den lebensbedrohlichen Botulismus verantwortlich ist. Sie werden verwendet, um Fleisch rot zu färben und Geschmack zu verleihen. Nitrate werden vor allem zugegeben, um zu verhindern, dass bestimmte Käsesorten während der Gärung aufblähen.

Sind für Lebensmittel verwendete Nitrate und Nitrite sicher?

In der Nahrung enthaltenes Nitrit und Nitrat wird schnell vom Körper aufgenommen, und zum Grossteil als Nitrat wieder ausgeschieden. Allerdings wandeln bestimmte Bakterien im Speichel einen Teil des Nitrats, das wir aufnehmen, in Nitrit um. Wenn Nitrit in übermässigen Mengen im Körper vorhanden ist, behindert es die Fähigkeit unserer roten Blutkörperchen, Sauerstoff im Körper zu transportieren. Nitrat in Lebensmitteln (und Nitrat, das im Körper in Nitrit umgewandelt wird) kann auch zur Bildung von sogenannten Nitrosaminen beitragen. Einige dieser Verbindungen sind karzinogen (krebserregend).

Im Jahr 2017 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Sicherheit von Nitriten und Nitraten als Lebensmittelzusatzstoffe neu bewertet. Auf der Grundlage der verfügbaren Informationen kam sie zu dem Schluss, dass die derzeitigen Gehalte, in denen Nitrate und Nitrite Lebensmitteln in Europa zugesetzt werden können, für die Verbraucher sicher sind.

Forscher haben bestätigt, dass die Menge an Nitrat und Nitrit, die wir aus Lebensmittelzusatzstoffen über unsere Ernährung aufnehmen, innerhalb sicherer Werte liegt. Zum Beispiel schätzten sie, dass unsere Exposition gegenüber Nitrat nur durch Lebensmittelzusatzstoffe weniger als 5 % der Gesamtexposition gegenüber Nitrat in Lebensmitteln beträgt und die zulässige erlaubte Tagesdosis (Acceptable Daily Intake, ADI) nicht übersteigt.

Sie sind auch zu dem Schluss gekommen, dass Nitrite, wenn sie in zugelassenen Mengen in Lebensmitteln verwendet werden, nicht zu Nitrosaminen beitragen, die die Gesundheit gefährden können. Das Gleiche gilt jedoch möglicherweise nicht für Kinder, die viele Lebensmittel mit Nitritzusatz zu sich nehmen. Dann kann der Verzehr über sichere Werte hinausgehen.

Ebenso kann Nitrit, das unbeabsichtigt in Fleischerzeugnissen aus anderen Quellen wie einer Umweltkontamination vorhanden ist, auch die Bildung von Nitrosaminen verursachen und möglicherweise gesundheitliche Bedenken bei den Verbrauchern auslösen. Es wird erwartet, dass zukünftige Forschungen genauere Informationen liefern, sodass potenzielle Gesundheitsrisiken identifiziert und verstanden werden können.

In der Zwischenzeit könnten einige Länder immer noch darauf drängen, die Verwendung dieser Verbindungen in Lebensmitteln zu reduzieren. So empfahl etwa die französische Agentur für Lebensmittelsicherheit, Umwelt- und Arbeitsschutz (ANSES) im Jahr 2022 neue Massnahmen, um die Menge an Nitriten und Nitraten, die Feinkostfleisch zugesetzt werden, weiter zu senken. Das Ziel ist es, "auf Niveaus zu kommen, die so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar sind", unter der strengen Bedingung, dass andere Massnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass das Lebensmittel gleichermassen sicher und frei von bakterieller Kontamination ist. (eufic)
(gb)

News, Tipps, … – die neuesten Beiträge
21.06.2024
dNEWS: die offiziell besten Bioprodukte 2024
18.06.2024
dFORSCHUNG: Mann-Frau-Unterschiede beim Fleischkonsum
17.06.2024
dTIPP: Erdbeeren zu pikanten Produkten verarbeiten
16.06.2024
dKOMMENTAR: Influencer werben für ungeeignete Kinderlebensmittel
13.06.2024
dTIPP: Spargeln und Rhabarber vor Saisonende einfrieren
11.06.2024dFORSCHUNG: Bei Zöliakie macht Gluten den Darm zu durchlässig
10.06.2024dWISSEN: Wie ungesund sind Nitrate wirklich?
09.06.2024dFORSCHUNG: gesündere, nachhaltigere Schokolade entwickelt
06.06.2024dNEWS: Bäckerkrone 2024 geht an «Piraten-Bäckerei»
04.06.2024dTIPP: Wasserglacé, Sorbet, Frozen Joghurt - do it yourself
03.06.2024dTREND: Konsum von Schweine-Frischfleisch geht zurück
02.06.2024dTIPP: Auberginen mit Schale aber nicht roh essen
30.05.2024dNEWS: Schweizer Salzkonsum immer noch 75% zu hoch
28.05.2024dTIPP: Food Festival Zürich 6.-16.6.2024
27.05.2024dWISSEN: Chilischärfe vermutlich herzschonend aber kaum antibakteriell
26.05.2024dTIPP: Eiweissbedarf pflanzlich decken mit den richtigen Kombinationen
24.05.2024dKOMMENTAR: Chancen für Laborfleisch und veganen Fleischersatz
21.05.2024dTIPP: Bohnenkraut nicht nur für Bohnen
20.05.2024dWISSEN: Die wichtigsten Hefearten
16.05.2024dNEWS: Damian Müller wird Präsident des Fleischfachverbandes
14.05.2024dNEWS: Bioproduktion liegt auch 2023 im Trend
13.05.2024dTIPP: Selbstgebackenes Brot vom Grill
12.05.2024dKOMMENTAR: wichtigste aktuelle Themen und Trends der Ernährung
09.05.2024dWISSEN: Warum Vollkorn gesund ist – nicht nur Brot
07.05.2024dTIPP: Solanin in Kartoffeln, Tomaten und Auberginen vermeiden
06.05.2024dKOMMENTAR: Laborfleisch künftig vom Bauernhof?
02.05.2024dFORSCHUNG: Ernährungs- und Klimainfos beeinflussen Fleischkonsum kaum
30.04.2024dTIPP: Liebstöckel – verkanntes Küchenkraut
29.04.2024dWISSEN: Biersorten und ihre Herstellung
28.04.2024dKOMMENTAR: Wie (un)gesund sind hochverarbeitete Bioprodukte?
Ecke für Profis
20.06.2024
.CONFISERIE: «Gesunde» Süsswaren weiterhin im Trend

Süsswaren sind und bleiben beliebte Genussprodukte, aber die vielfältigen Zusatznutzen stehen weiterhin im Zentrum des Marketings, vor allem Gesund-Positionierungen.
©opyrights ...by ask, ralph kradolfer, switzerland