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KOMMENTAR: Biosuisse lehnt auch neue Gentechmethoden ab

K Die Thematik Gentechnik wird aktuell von Politik und Industrie stark angeschoben – insbesondere im Hinblick auf die neuen gentechnischen Züchtungsverfahren wie beispielsweise Crispr-Cas. Produktion, Handel, Industrie sowie auch Konsumentinnen und Konsumenten müssen sich mit dem Thema befassen, weil es spätestens nächstes Jahr dann auf der Agenda stehen wird. Auch die Bioszene will sich nun mit dem Thema auseinandersetzen und so diskutierten verschiedene Fachleute im Rahmen der Bio-Suisse-Delegiertenversammlung über die Vor- und Nachteile der neuen Gentechniken.

Anlässlich der Herbst-Delegiertenversammlung 2022 in Olten lancierte Bio Suisse im Rahmen einer Podiumsdiskussion die Debatte zu den neuen gentechnischen Züchtungsverfahren. Die Podiumsteilnehmerinnen und Podiumsteilnehmer:
• Eva Gelinsky, Agrarwissenschaftlerin und Ethikerin
• Olga Hänni, Biobäuerin
• Angelika Hilbeck, Umweltsystemwissenschaftlerin ETH
• Jürg Niklaus, Rechtsanwalt und Präsident von «Sorten für morgen»
• Amadeus Zschunke, Geschäftsführer Bio-Saatgutzucht Sativa

Sowohl bei den Podiumsteilnehmerinnen und Podiumsteilnehmern wie auch beim Bio-Suisse-Verband war man sich einig, dass man sich in gut drei Jahren auf eine neue Realität einstellen muss und das Gentech-Moratorium Ende 2025 fallen dürfte. Zur Debatte stehe eigentlich nur noch, wie man zwischen den alten und neuen Gentechniken unterscheide: Nimmt man diese neuen gentechnischen Züchtungsverfahren vom Gesetz aus und verbleiben nur die alten Gentechnikverfahren im eigentlichen Gentechnikgesetz?

Versprechen noch nicht erfüllt

Die Idee sei ja, dass man die Risikoabschätzungen und die Zulassungsrichtlinien dahingehend auflockere, dass bestimmte Anwendungsformen herausgenommen würden, erklärte Angelika Hilbeck von der ETH Zürich. Das sei allerdings bedenklich, da diese neuen Methoden mehr versprechen würden, als sie tatsächlich liefern könnten: «Auch nach zehn Jahren seit der Entdeckung von Crispr-Cas ist von den neuen gentechnischen Züchtungsverfahren kaum etwas auf dem Markt – das müsste uns doch aufhorchen lassen», meinte die Umweltsystemwissenschaftlerin und ergänzt: «Wir können nur aus der Erfahrung mit den transgenen Organismen schöpfen und da müssen wir den Blick nur über den Atlantik werfen und dort zeigt sich: Die amerikanischen Bauern sind nicht glücklicher und haben keine bahnbrechenden Ziele erreicht, die in anderen Ländern mit anderen Methoden ohne Gentechnik nicht auch erreicht worden wären.»

Portemonnaie zählt

Den Versprechungen dieser neuen Züchtungsverfahren blauäugig zu glauben, sei sowieso naiv, meinte auch Biobäuerin Olga Hänni – vor allem, wenn man bedenke aus welcher Ecke diese Versprechungen kommen würden. Die globalen Saatgutfirmen seien stark mit den grössten Chemiemultis wie ChemChina, Syngenta oder Bayer verbandelt und entweder in Voll- oder Teilbesitz dieser Chemiefirmen, führte die Jungbäuerin aus und ergänzte: «Und genau diese Saatgutfirmen wollen mir nun erzählen, dass sie mithilfe von neuen Züchtungsmethoden Sorten für die Zukunft produzieren wollen, die keine Pestizide mehr nötig hätten – das ist ja lächerlich, die wollen sich ja nicht selbst abschaffen.»

Trotzdem Teil der Lösung?

Die neuen Züchtungsverfahren einfach abzutun, sei aber sicher nicht die Lösung, meinte Jürg Niklaus, Präsident des Vereins «Sorten für morgen». Die globale Landwirtschaft sehe sich Herausforderungen von fast biblischem Ausmass gegenüber und für diese Herausforderungen brauche es eine Lösung, plädierte er als einzige Befürworterstimme des Podiums für die neue Gentechnik. Die Kriege, die Bodenverknappung, das Bevölkerungswachstum, die Wasserknappheit oder der Klimawandel seien riesige Herausforderungen, für die es einen sinnvollen Weg brauche. «Es braucht einen Weg, der mit den Risiken vernünftig umgeht, aber auch mit der Realisation, dass das Leben nicht risikofrei ist – nichts tun ist auch risikobehaftet und das gilt es in dieser Debatte zu berücksichtigen», erklärte Jürg Niklaus.

Biobranche bleibt skeptisch

Im Rahmen Podiums erklärte Bio-Suisse-Präsident Urs Brändli ausserdem, dass jede Diskussion, den Wissenstand erweitere und helfe, zu verstehen, worum es gehe – erst dann könne man sich eine fundierte Meinung bilden. Angesichts der Zusammenstellung der Podiumsteilnehmerinnen und Podiumsteilnehmer lagen die Ansichten zu Ende der Diskussion aber klar verteilt: Die grosse Mehrheit auf dem Podium sieht die neuen Techniken nicht mit den Prinzipien des Biolandbaus vereinbar und fordert, dass auch Crispr-Cas und andere neue Methoden unbedingt unter das Gentechnikgesetz fallen müssen.

Angesprochen auf die etwas begrenzt geführte Diskussion erklärt Urs Brändli, dass Bio Suisse die Debatte zur Gentechnik in der Schweiz an der Delegiertenversammlung aus Sicht Bio lanciert habe: «Dabei wurde bewusst ein informativer und kein diskursiver Ansatz gewählt.» Die Diskussion solle nun bis in den Frühling in den Mitgliedorganisationen und Gremien auch weiter fortgesetzt werden. (LID)
(gb)

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