Foodfachzeitung im Internet
Mittwoch, 29. April 2026
News, Tipps, …
Druckansicht11.06.2024
FORSCHUNG: Bei Zöliakie macht Gluten den Darm zu durchlässig

Von „Das bisschen Gluten im Essen kann doch nicht schaden“ bis „Gluten ist die Ursache für viele Krankheiten“ finden sich viele, oft falsche Aussagen in den Medien und sozialen Netzwerken. Aber was stimmt? Tatsächlich müssen nur Zöliakie-Betroffene komplett auf Gluten verzichten, da es sonst zu gravierenden gesundheitlichen Auswirkungen kommt. Es ist wichtig, über Gluten aufzuklären und ein besseres Bewusstsein für die Erkrankung Zöliakie zu schaffen.

Die Universität Bielefeld fand anhand einer aktuellen Studie heraus, dass ein Enzym bei Zöliakie nicht verdaute Glutenrestbestandteile im Dünndarm so umbaut, dass diese die Darmschleimhaut direkt schädigen. Der Darm wird so durchlässiger und dadurch gelangen Bakterien oder andere Schadstoffe schneller in den Blutkreislauf. Das fördert wiederum Entzündungsreaktionen ebenso wie das Gluten selbst. Damit haben die Forschenden nachgewiesen, dass Gluten bei Zöliakie-Betroffenen ein sogenanntes Leaky-Gut-Syndrom auslöst. Diese Form des „durchlässigen Darms“ ist in der Medizin bekannt und auch für zahlreiche andere Krankheitsbilder verantwortlich. Diese Erkenntnis hilft den Forschenden, die Prozesse bei Zöliakie durch den Auslöser Gluten im Körper nachzuvollziehen.

Gluten ist aber für Gesunde völlig unproblematisch und darauf zu verzichten, nicht zu empfehlen. Fertige, glutenfreie Brote enthalten beispielsweise im Vergleich zu glutenhaltigen Varianten meist mehr Kalorien durch höhere Fett- und Zuckergehalte. Zudem sind sie teurer. Für Zöliakiepatienten und -patientinnen bieten sie allerdings Normalität und erleichtern den Alltag. Mit dem anerkannten Siegel der durchgestrichenen Ähre ausgestattet, wird die Glutenfreiheit unter 20 ppm (20 mg pro kg) garantiert und das entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Aber auch hier gilt: Eine ausgewogene und gesunde Ernährung basiert auf möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln, unabhängig davon, ob man glutenhaltig oder glutenfrei isst.

Laut Information der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft ist ein Prozent der deutschen Bevölkerung an Zöliakie erkrankt. Die Dunkelziffer ist allerdings höher. Das Klebereiweiss Gluten befindet sich im Korn vieler Getreidesorten wie Weizen oder Dinkel und sorgt bei den Betroffenen für vielfältige Beschwerden: angefangen bei Erbrechen und Durchfall bis zu untypischen Symptomen wie Kopfschmerzen oder Blutarmut. Einzige Therapiemöglichkeit ist die lebenslange, glutenfreie Ernährung.

Anders als bei einer Glutenunverträglichkeit, lösen schon kleinste Mengen Gluten eine Autoimmunreaktion aus und sollten daher vermieden werden. Der Körper bildet Antikörper, da er fälschlicherweise von einem Fremdstoff ausgeht und in Alarmbereitschaft ist. Dies führt zu chronischen Darmentzündungen, wobei sich die Darmzotten zurückbilden und die Nährstoffe aus der Nahrung nicht mehr so gut aufgenommen werden. Bereits ein Achtel Gramm Weizenmehl reicht aus, um die Reaktion auszulösen. Also ist sogar Küchenhygiene enorm wichtig. (BZfE)
(gb)

News, Tipps, … – die neuesten Beiträge
27.04.2026
d KOMMENTAR: Bezeichnung „Urgetreide“ irreführend
24.04.2026
dNEWS: Heute ist Tag des Schweizer Bieres 2026
23.04.2026
dTIPP: Wraps selbst füllen aber richtig
17.04.2026
d SAISON: Spargel: Königin der Gemüse
16.04.2026
dFORSCHUNG: welche hochverarbeiteten Lebensmittel sind (un)gesund?
13.04.2026dNEWS: Schweizer Biomarkt ist 2025 weitergewachsen
08.04.2026dTIPP: Blumenkohl richtig verarbeiten
01.04.2026dKEIN APRILSCHERZ: Roboter erntet Spargeln (nur reife natürlich)
29.03.2026dNEWS: Weniger Schweizer Zucker- und Dauerbackwaren verkauft im 2025
24.03.2026dNEWS: Migros mit deutlich mehr Gewinn im 2025
21.03.2026dNEWS: Weniger Schweizer Schokolade verkauft im 2025
19.03.2026dKOMMENTAR: Schweizer Lebensmittel-Pyramide am Pranger
18.03.2026dKOMMENTAR: Steuer auf mehrere Risikostoffe statt reine Zuckersteuer
16.03.2026dWISSEN: Intervallfasten nützt nicht mehr als andere Diäten
11.03.2026dTREND: vielseitige Süsskartoffel legt stetig zu
05.03.2026d FORSCHUNG: höherer Kaffeekonsum senkt Demenzrisikio
03.03.2026dNEWS: Zürich ist offizielle Genussregion 2026
25.02.2026dTIPP: Wein- und Genussmesse Schlaraffia 5.-8.3.2026
22.02.2026d NEWS: Milchschwemme in der Schweiz
19.02.2026dWISSEN: Weisskabis als Vitaminspender
18.02.2026dKOMMENTAR: Funktionelle Süssigkeiten im Trend aber unnötig
17.02.2026dNEWS: Coop wuchs im 2025 in allen Bereichen
16.02.2026dWISSEN: Ingwer – scharfe Knolle und Arzneipflanze
10.02.2026dNEWS: Migros lanciert «Save Food» gegen Food Waste
06.02.2026dWISSEN: Rande - gesunde Knolle mit Charakter
02.02.2026dTIPP: süss-säuerliche Litschi mit feiner Muskatnote
28.01.2026dKOMMENTAR: USA stellt Ernährungspyramide auf den Kopf
23.01.2026dWISSEN: die süsslichen Karotten sind beliebtestes Gemüse
21.01.2026d TIPP: Exotische Passionsfrucht richtig verarbeiten
17.01.2026dKOMMENTAR: Gibt es gesunde Zuckeralternativen und Süssstoffe?
©opyrights ...by ask, ralph kradolfer, switzerland