​
Foodfachzeitung im Internet
Admin aufrufen
Samstag, 17. Oktober 2026
News, Tipps, …
Druckansicht 02.04.2024
FORSCHUNG: Neuartiger elektronischer Sensor erkennt Mikroben

Forschende der Goethe-Universität Frankfurt und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel haben einen neuartigen Bakterien-Sensor entwickelt. Er basiert auf einem Chip mit einer innovativen Oberflächen-Beschichtung. Sie sorgt dafür, dass nur ganz spezifische Mikroorganismen an dem Sensor kleben bleiben – beispielsweise Krankheitserreger. Je grösser ihre Anzahl, desto stärker das elektrische Signal, das der Chip erzeugt. Der Sensor kann gefährliche Bakterien also nicht nur mit hoher Empfindlichkeit nachweisen, sondern auch ihre Konzentration bestimmen.

Bakterielle Infektionen fordern jedes Jahr weltweit mehrere Millionen Menschenleben. Der Nachweis schädlicher Mikroorganismen ist daher immens wichtig - nicht nur in der Krankheitsdiagnostik, sondern etwa auch bei der Herstellung von Lebensmitteln. Die bislang verfügbaren Verfahren sind jedoch oft zeitaufwändig, erfordern teure Geräte oder lassen sich nur von Fachleuten durchführen. Ausserdem können sie häufig nicht zwischen aktiven Bakterien und deren Zerfallsprodukten unterscheiden.

Die neu entwickelte Methode weist dagegen nur intakte Bakterien nach. Sie nutzt dazu aus, dass Mikroorganismen stets nur bestimmte Körperzellen befallen, die sie an einer Struktur aus speziellen Zuckermolekülen erkennen. Diese sogenannte Glykokalyx ist von Zelltyp zu Zelltyp verschieden. Sie dient den Körperzellen gewissermassen als Ausweis. Möchte man ein bestimmtes Bakterium fangen, muss man daher nur die entsprechende Erkennungsstruktur in der Glykokalyx seiner bevorzugten Wirtszelle kennen und kann diese dann gewissermassen als Köder benutzen.

Genau das haben die Forschenden auch gemacht. „Wir wollten in unserer Studie einen bestimmten Stamm des Darmbakteriums Escherichia coli – kurz: E. coli – nachweisen“, erklärt Prof. Andreas Terfort vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Goethe-Universität. „Wir wussten, welche Zellen der Erreger normalerweise infiziert. Das haben wir genutzt, um unseren Chip mit einer künstlichen Glykokalyx zu überziehen, die die Oberfläche dieser Wirtszellen imitiert. An dem Sensor bleiben daher nur Bakterien von dem gewünschten E.-coli-Stamm kleben.“

E. coli verfügt über zahlreiche kleine Ärmchen, die sogenannten Pili. Mit ihnen erkennt das Bakterium die Glykokalyx seines Wirts und hält sich an ihr fest. „Die Bakterien binden mit ihren Pili gleich mehrfach an den Sensor; sie haften an ihm dadurch besonders stark“, sagt Terfort. Die künstliche Glykokalyx ist zudem chemisch so aufgebaut, dass Mikroben, die nicht über die passenden Ärmchen verfügen, von ihr abgleiten - ähnlich wie Gebratenes von einer gut gefetteten Pfanne. Das stellt sicher, dass wirklich nur die krankmachenden E.-coli-Bakterien festgehalten werden.

Doch wie lässt sich nachweisen, dass an der künstlichen Glykokalyx Bakterien hängen? „Wir haben die Zuckermoleküle an einem leitfähigen Polymer befestigt“, erklärt der Erstautor der Veröffentlichung, Sebastian Balser, Doktorand bei Prof. Terfort. „Über diese ‚Drähte‘ können wir durch Anlegen einer elektrischen Spannung ablesen, wie viele Bakterien an den Sensor gebunden haben.“

Die Studie dokumentiert, wie gut das klappt: In ihr mischten die Forschenden Erreger aus dem gesuchten E.-coli-Stamm in verschiedenen Konzentrationen unter harmlose E.-coli-Bakterien. „Unser Sensor konnte die schädlichen Mikroorganismen auch noch in sehr geringen Mengen nachweisen“, erklärt Terfort. „Er lieferte zudem umso stärkere Signale, je höher die Konzentration der gesuchten Bakterien war.“

Die Veröffentlichung ist zunächst einmal ein Nachweis, dass die Methode funktioniert. In einem nächsten Schritt wollen die beteiligten Arbeitsgruppen untersuchen, ob sie sich auch in der Praxis bewährt. Es ist beispielsweise denkbar, sie in Regionen einzusetzen, in denen keine Krankenhäuser mit aufwändiger Labordiagnostik existieren. (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
(gb)

News, Tipps, … – die neuesten Beiträge
14.10.2026
dNEWS: Offiziell beste Schweizer Käser: Swiss Cheese Awards 2026
09.10.2026
dNEWS: Welt-Ei-Tag 9.10.2026
04.10.2026
dTREND: Food Radar von Betty Bossi
27.09.2026
dNEWS: Metzgerei Jenzer gewinnt Preise für beste Metzgete
24.09.2026
dNEWS: Tag der Pilze 26.9.2026
20.09.2026 dWISSEN: Milde, vielseitige Schalotte für die feine Küche
11.09.2026 dNEWS: Nationale Woche gegen Food Waste 12.-20.9.2026
08.09.2026 dTIPP: Schweizer Genusswoche 2026
31.08.2026 d SAISON: Wassermelone richtig verarbeiten
28.08.2026 dKOMMENTAR: Erhitzen zerstört Schimmelpilzgifte nicht
23.08.2026 d FORSCHUNG: Übergewicht-Einfluss auf Krebsrisiko
09.08.2026 dWISSEN: Chili oder Cayennepfeffer - feurige Würze
03.08.2026 dTIPP: Trendgemüse Kürbis - vom Acker bis zum Teller
27.07.2026 dFORSCHUNG: Quantensensorik erkennt Lebensmittelbetrug
23.07.2026 dKOMMENTAR: Wie sinnvoll sind Near-Water-Getränke?
21.07.2026 dWISSEN: Matjes auf holländische oder nordische Art
13.07.2026 d FORSCHUNG: Hülsenfrüchte gegen Bluthochdruck
06.07.2026 dTIPP: Liebstöckel - intensiv-würziges Maggikraut
02.07.2026 dWISSEN: Erbsen als Proteinbombe
26.06.2026 dFORSCHUNG: Luzerne-Drink als nachhaltige Milchalternative
22.06.2026 d TIPP: Vielseitiger Thymian - vom Schmorgericht bis Dessert
17.06.2026 dKOMMENTAR: Nahrungsergänzung ist sinnlos bei Omega-3-Fettsäuren
10.06.2026 dNEWS: Basler Bäckerei Jetzer gewinnt «Bäckerkrone 2026»
08.06.2026 d FORSCHUNG: KI erkennt ultraverarbeitete Produkte
02.06.2026 dTIPP: Bio Marché in Zofingen 19.-21.6.2026
27.05.2026 d NEWS: BLV-Vorschlag für Reduktion der Kinderwerbung
26.05.2026 dWISSEN: Macht Kreatin wirklich starke Muskeln?
19.05.2026 d TIPPS: Grillgenuss ohne Risiko - 10 Hygieneregeln
15.05.2026 dNEWS: Ernährungsstrategie 2025-2032 und geplante Umsetzung
01.05.2026 dFORSCHUNG: Sauberkeit im Kühlschrank schlägt Temperaturkontrolle.
©opyrights ...by ask, ralph kradolfer, switzerland