​
Foodfachzeitung im Internet
Dienstag, 6. Oktober 2026
Tipp
07.09.2026
Premiere NovaFood 26.-27.10. 2026 in Luzern

Vom 26.-27.10. 2026 wird Luzern Treffpunkt der Schweizer Lebensmittelproduktion. An der neuen Fachmesse stellen Hersteller und Dienstleister für Produktionstechnik, Betriebsmittel, Rohstoffe und Halbfabrikate aus.
Ecke für Profis
Druckansicht21.03.2025
LANDWIRTSCHAFT: Menschlicher Kontakt beeinflusst Fleischqualität


Die Art und Weise, wie Rinder auf der Weide gehalten werden, hat einen erheblichen Einfluss auf die Qualität des Fleisches. Auch der Hornstatus spielt eine Rolle.


Die Forscherinnen und Forscher von Agroscope untersuchten insgesamt 64 Jungrinder, die auf Sommerweiden in den Schweizer Alpen grasten. Die Tiere wurden in zwei Gruppen unterteilt: Eine Gruppe weidete intensiv auf kleinen Parzellen und wechselte alle zwei bis drei Tage die Weidefläche. Die andere Gruppe war auf grösseren Flächen unterwegs und wechselte nur alle sieben bis acht Tage. Ziel der Untersuchung war es, herauszufinden, wie sich die Weideintensität und der Kontakt zu Menschen auf das Verhalten, den Stresslevel vor der Schlachtung und die Fleischqualität auswirken.

Die Erkenntnisse aus dieser Studie sind besonders relevant, da der Stress kurz vor der Schlachtung einen grossen Einfluss auf die Fleischqualität hat. Stress führt im Körper zu physiologischen Veränderungen, die die Wasserbindung und Zartheit des Fleisches negativ beeinflussen können. Um die Fleischqualität zu optimieren, ist es daher wichtig, Massnahmen zu ergreifen, die den Stress der Tiere möglichst gering halten.

Weniger Stress: Menschlicher Kontakt wirkt beruhigend

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist der positive Effekt des menschlichen Kontakts auf die Tiere. Die Studie ergab, dass die Tiere der Gruppe mit hoher Weideintensität weniger Stress vor der Schlachtung zeigten als die Tiere der anderen Gruppe. Durch die intensive Beweidung und die damit verbundenen häufigen Weidewechsel standen die Rinder häufiger in Kontakt mit den Landwirtinnen und Landwirten. Diese regelmässigen Begegnungen führten zu einer gewissen Gewöhnung und verringerten die Stressreaktionen – insbesondere kurz vor der Schlachtung. So wurde bei den intensiver beweideten Rindern ein niedrigeres Stressniveau vor der Betäubung festgestellt. Dies zeigte sich unter anderem in einem niedrigeren Cortisolspiegel und einer niedrigeren Herzfrequenz kurz vor der Betäubung.


Die Studie zeigt, dass das Weidemanagement einen bedeutenden Einfluss auf die Fleischqualität hat. Insbesondere der häufige Kontakt mit Menschen kann Stress abbauen und die Fleischqualität verbessern. Diese Erkenntnisse sind besonders wichtig für Landwirtinnen und Landwirte, die Wert auf qualitativ hochwertiges Rindfleisch legen.


Die verbesserte Fleischqualität äusserte sich in verschiedenen Aspekten: Das Fleisch war zarter und wies weniger Wasserverluste beim Kochen auf. Auch der Abbau des Proteins Troponin erfolgte schneller, was ein Indikator für eine verbesserte Fleischreifung ist. Insgesamt war das Fleisch aus der intensiven Weidehaltung von höherer Qualität und wies eine bessere sensorische Bewertung auf.

Unterschiede zwischen behornten und enthornten Rindern

Zusätzlich untersuchten die Forschenden den Einfluss des Hornstatus. Es stellte sich heraus, dass behornte Rinder im Schlachthof eine höhere Herzfrequenz und damit ein erhöhtes Stressniveau aufwiesen. Das Fleisch dieser Rinder war weniger saftig und zeigte geringfügig höhere Kochverluste. Der Einfluss des Hornstatus auf die Fleischqualität war jedoch geringer als jener der Weideintensität. Dennoch zeigt die Studie, dass auch die genetische Ausstattung und die körperliche Beschaffenheit der Tiere eine gewisse Rolle spielen.


Durch eine sorgfältige Planung der Weideführung und einen regelmässigen Kontakt zu den Tieren können nicht nur die Fleischqualität verbessert, sondern auch das Wohl der Tiere gesteigert werden. Die Ergebnisse der Studie geben somit wertvolle Hinweise darauf, wie Tierwohl und Fleischqualität Hand in Hand gehen können.


Die Erkenntnisse aus der Studie sind für die Praxis wertvoll: Sie zeigen, dass nicht nur die Haltungsbedingungen, sondern auch der Umgang mit den Tieren einen erheblichen Einfluss auf die Fleischqualität haben. Regelmässiger, positiver Kontakt zu den Tieren kann dazu beitragen, Stress zu reduzieren und die Fleischqualität zu verbessern. Landwirtinnen und Landwirte sollten daher den persönlichen Umgang mit ihren Tieren intensivieren und eine möglichst stressfreie Umgebung schaffen – insbesondere in den letzten Tagen vor der Schlachtung. (LID)

Stichwort: .Metzgerei:
(gb)

Ecke für Profis – die neuesten Beiträge
05.10.2026
d.ERNÄHRUNG: Information statt Verbote
13.09.2026
d .METZGEREI: Schweizer Ausbein-Meisterschaft 2026 im Rückblick
25.08.2026
d.MOLKEREI: Pflanzliche Milchalternativen verlieren Schwung
17.08.2026
d.INNOVATION: Proteinreiche Lupine ersetzt Kaffee
30.07.2026
d .ERNÄHRUNG: Pilze in der Schweizer Ernährung
19.07.2026d.METZGEREI: Schweinezuchtbetriebe stillegen wegen Überproduktion
09.07.2026d .ERNÄHRUNG: Geistiger Abbau durch Süssstoffe
29.06.2026d.TECHNOLOGIE: Ballaststoffe aus Leguminosen-Rückständen entwickelt
19.06.2026d.LANDWIRTSCHAFT: Nutztiere abschaffen?
07.06.2026d .BÄCKEREI: Dilemma beim Brot: Sensorik vs. Gesundheitswert
24.05.2026d.ERNÄHRUNG: Viel Fructose schadet den Nieren
13.05.2026d .CONFISERIE: „Schokolade“ ohne Kakao auf dem Vormarsch
30.04.2026d.MOLKEREI: Rekordkäsekonsum 2025 - Frischkäse boomt
20.04.2026d .TECHNOLOGIE: Pektin boomt als pflanzlicher Zusatzstoff
07.04.2026d .METZGEREI: Fleischangebot im Jahr 2025 erneut gestiegen
27.03.2026d .LANDWIRTSCHAFT: Osterparadox der Eierbranche
13.03.2026d .METZGEREI: Jetzt Suppenhühner in den Topf
01.03.2026d .ERNÄHRUNG: Schon zwei Tage Haferdiät senken das Cholesterin
20.02.2026d .MOLKEREI: Cheeseaffair-Messe 2026 im Rückblick
08.02.2026d .CONFISERIE: Prämierte Produktneuheiten der ISM 2026
31.01.2026d.ERNÄHRUNG: Polyphenole mindern Herzkrankheiten-Risiko
19.01.2026d .ERNÄHRUNG: Sind Süssstoffe gesundheitlich bedenklich?
08.01.2026d .TECHNOLOGIE: Lebensmittelbetrug schnell vor Ort erkennen
27.12.2025d.MOLKEREI: Agroscope hat veganes Raclette entwickelt
15.12.2025d .LANDWIRTSCHAFT: Schweizer Trutenproduktion - stabile Nische
05.12.2025d.KONDITOREI: Gesunde Süssungkonzepte
27.11.2025d .GASTRONOMIE: Erfolgreiche IGEHO 2025 im Rückblick
11.11.2025d.METZGEREI: Weltweiter Geflügel-Boom hat viele Gründe
02.11.2025d.MOLKEREI: World Cheese Awards 13.-15.11.2025
26.10.2025d .ERNÄHRUNG: Schlussbericht zum Monitor Ernährung
©opyrights ...by ask, ralph kradolfer, switzerland