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.LANDWIRTSCHAFT: Bauern sollen mutiger und innovativer sein
Manfred Bötsch, ehemals BLW-Direktor, will dass die Schweizer Landwirtschaft offensiver und mutiger wird. Landwirte sowie landwirtschaftliche Organisationen müssten ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen.



Um den Forderungen von Gesellschaft und Politik künftig zu begegnen, plädiert Manfred Bötsch, Agraringenieur und ehemaliger Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft für eine offensivere Haltung von Landwirtinnen und Landwirten. Sie sollen nicht auf die Politik warten.


Die gesellschaftlichen Forderungen an die Landwirtschaft würden sich zuletzt durch zum Teil absolute Forderungen auszeichnen, erläutert Manfred Bötsch: Keine Nutztiere mehr; keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel; gleichzeitig keine Rückstände und keine Emissionen im Boden, in der Luft, im Wasser; keine Grossbetriebe und keine Arten auf der roten Liste. «Gleichzeitig muss auf der Produktebene alles immer noch schön makellos sein, es muss frisch sein, des Weiteren sollten es am liebsten auch noch alles alte Sorten aus der Region sein und natürlich möglichst billig», veranschaulicht der ETH-Agraringenieur die teilweise widersprüchlichen und radikalen Forderungen, die aktuell aus der Gesellschaft zu spüren sind.

Und je länger, je mehr spiegelten sich diese Positionen auch im Parlament. Aber auch dort seien die Forderungen sehr absolut, meint Manfred Bötsch: Es genüge nicht mehr, besser zu sein und ausgewogene Lösungen hätten es schwer – ausserdem werde sehr monothematisch diskutiert. «Beim Tierwohl fallen so zum Beispiel Zusammenhänge wie Ernährung oder Nutzung der Grünfläche in den Hintergrund, was austarierte Lösungen verunmöglicht», erklärt er.


Die Emmental Versicherung vergibt Schweizer Landwirten jedes Jahr einen Innovationspreis. Im 2022 ging er an die Berner Familie Brog für ihre Verarbeitung von Schweizer Schafwolle zu Wollkugeli als Kissenfüllmaterial. Im 2021 erhielten ihn Puschlaver Bauern für die Produktion ihrer Bergbeeren (Bild: Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren).


Sich sträuben bringe allerdings auch nichts: «Es ist eine Tatsache, dass die urbane Gesellschaft heute die Mehrheit in der Schweiz ausmacht und sich diese von der Landwirtschaft entfremdet hat respektive das Agrarische nicht mehr kennt», sagt Manfred Bötsch. Die gesellschaftlichen Forderungen manifestierten ein Stück weit, das fehlende Vertrauen und die Gesellschaft suche nach Sicherheit, Klarheit, dem inhärenten archaischen Lebensgefühl und nach Natürlichkeit.

«Wenn die Landwirtschaft nun diese Themen aber als Spinnerei abtut und nicht implizit adressiert, dann werden wir nicht weiterkommen», meint Manfred Bötsch. Ständig Sachen abwehren und bekämpfen zu müssen, brauche ausserdem Energie und viel Geld – aber bewegt werde schlussendlich nicht viel.

«Deshalb muss die Landwirtschaft in den Lead gehen – wir haben die Aufgabe, voranzugehen», ist der Agraringenieur überzeugt. Innovationstreiber sei nämlich nicht etwa die Politik, sondern findige, offene und leidenschaftliche Landwirtinnen und Landwirte. «Es ist nicht die Politik, die Innovationen bringt – es sind Bauern und Organisationen, die Hors-sol oder Hackroboter vorangetrieben haben», erläutert Manfred Bötsch und ergänzt: «Wenn die Landwirtschaft auf die Politik wartet, wird sie immer zu spät sein.» (LID)
(gb)

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