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Warum traditionelle Früchte- und Gemüsesorten?
In der Welt der Lebensmittelproduktion und des Konsums finden alte Sorten wie zB schmackhafte ProSpecieRara-Produkte oft nur wenig Beachtung. Aber sie sind eine nachhaltige, ressourcenschonende Alternative zu intensiven Monokulturen.



Alte Gemüse-sorten von ProSpecieRara


Wie kann man die Öffentlichkeit für die Vielfalt der genetischen Ressourcen sensibilisieren und damit deren Konsum nachhaltig beeinflussen? Um diese Frage zu beantworten und die Arbeit der Akteurinnen und Akteure der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen zu inspirieren, referierten an einer PGREL-Fachtagung am Inforama Rütti in Zollikofen unter anderem Pascal Lorenzini, Dozent für Wirtschaft an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL und Rainer Pietrek, Verantwortlicher für Gartenpflanzen bei Coop und Jumbo und präsentierten ihre Perspektiven im Hinblick auf das Nischengebiet.

In einer Welt, die sich rasant verändere, erschienen traditionelle Gemüse- und Obstsorten als Relikte einer vergangenen Ära, führte Pascal Lorenzini von der HAFL aus. Doch gerade in dieser Schnelllebigkeit liege ihr wahrer Wert verborgen. Und auch im Kontext des Megatrends Neoökologie werde die Rolle traditioneller Sorten besonders deutlich. Sie repräsentierten eine nachhaltige, ressourcenschonende Alternative gegenüber dem Bild von intensiven Monokulturen und seien eng mit anderen Trends wie Minimalismus, Bio-Boom, und Regionalisierung verbunden.

Über ihre praktischen Vorteile hinaus schafften traditionelle Sorten eine emotionale Verbindung zur Natur und unserer Kulturgeschichte. Jede Sorte trage eine Geschichte in sich, erzählt von Generationen von Bauern und Gärtnern, die sie gepflegt und weitergegeben haben. Um die Bedeutung traditioneller Sorten voll zu erfassen und zu vermitteln, müsse das «Warum» hinter ihrer Erhaltung kommuniziert werden, führte Pascal Lorenzini weiter aus. Es gehe darum, authentische Geschichten zu teilen und eine nachhaltige Beziehung zwischen Konsumenten, Landwirten und der Natur zu schaffen.



Keine «Wollmilchsauen» aber die alte Rasse der Wollschweine, deren Zucht Pro Specie Rara fördert.


Dass die Produkte eine Geschichte erzählten, sei für die Vermarktung zentral, bestätigte Rainer Pietrek von Coop. Bereits 1999 initiierte die Schweizer Einzelhändlerin Coop eine Partnerschaft mit ProSpecieRara. Einerseits sei Einzigartigkeit der Produkte und Sorten ein Verkaufsargument, andererseits erzählten Produkte wie beispielsweise Käse oder Milch der Appenzeller Ziege, einst fast ausgestorben, eine Geschichte, die weit über den reinen Geschmack hinausgingen.

Wirtschaftliches Interesse und Nachhaltigkeit

Die Entscheidung, ProSpecieRara-Produkte im Regal aufzunehmen, sei aber natürlich nicht rein altruistisch getroffen worden. Coop habe erkannt, dass gewisse Kundinnen und Kunden zunehmend Wert auf Authentizität, Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit legten, so Rainer Pietrek. Diese Kunden suchten Produkte, die nicht nur gut schmecken, sondern eben auch eine Geschichte erzählten – und diese Kundschaft sei bereit, dafür einen höheren Preis zu zahlen.


Blaue St.Galler Kartoffeln von ProSpecieRara


Die Positionierung dieser Produkte als hochwertige, sympathische Schweizer Produkte trage auch zur wirtschaftlichen Stabilität von Coop bei. Trotzdem besetzten die Produkte einen Nischenmarkt und die Vermarktung traditioneller Sorten sei nicht ohne Herausforderungen. Einerseits erforderten sie kommunikative Unterstützung, um ihre Besonderheiten hervorzuheben. Andererseits müssten Produzenten gefunden werden, die bereit seien, diese oft weniger ertragreichen Sorten anzubauen und diese trotzdem in entsprechenden Mengen bereitzustellen. (LID)



Chioggia-Randen haben im Querschnitt violette und weisse Ringe, die man vor allem im rohen Zustand gut sieht.



Die Stiftung ProSpecieRara

ProSpecieRara wurde 1982 als schweizerische, nicht profitorientierte Stiftung gegründet, um gefährdete Kulturpflanzen und Nutztiere vor dem Aussterben zu schützen. Heute engagieren wir uns für die Erhaltung und Nutzung von über 1500 Garten- und Ackerpflanzen, rund 400 Beerensorten, 2400 Obstsorten, 1000 Zierpflanzensorten und 38 Nutztierrassen.

Als Folge der Biodiversitätskonvention von Rio 1992 verpflichtete sich die Schweiz, sämtliche genetischen Ressourcen bei Tieren und Pflanzen zu erhalten. ProSpecieRara erledigt viele dieser Aufgaben für die Schweiz – mit viel Herzblut. Die alten Sorten und Rassen sollen aber nicht nur erhalten und bewahrt werden, sondern vielmehr für alle zugänglich sein und genutzt werden. Auf dass in Gärten wieder ‘Goldparmäne‘, ‘Blaue St. Galler‘ und ‘Baselbieter Röteli‘ gedeihen und sich auf den Weiden Saaser Mutten und Wollschweine tummeln. (www.prospecierara.ch)
(gb)

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