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Süssstoffe statt Zucker für die Gesundheit?
Nicht künstliche Süssstoffe sind das Hauptproblem bei alternativ gesüssten Süsswaren sondern die Gewöhnung an einen zu hohen Süssgrad und der Überkonsum. Zuckeralternativen können sinnvoll aber auch kontraproduktiv sein.


Süsswaren mit Zuckeralternativen und Süssstoffen sind im Trend. Dagegen haben Süsswaren mit stark reduzierter Süsse, egal ob gezuckert oder künstlich gesüsst, kaum Marktchancen, obwohl sie gesundheitlich die beste Lösung darstellen. Einige Süssstoffe sind umstritten und neuerdings auch Fructose, die früher als Diabetikerzucker galt, weil sie nur einen geringen Einfluss auf den Insulinspiegel hat. «Zu viel Fructose in Fertigprodukten ist eine Gerfahr fürs Herz», titelte das Konsummagazin Saldo.

«Immer mehr Hersteller süssen Lebensmittel mit Fructose, weil sie gesünder sein soll als Saccharose oder künstliche Süssstoffe. Doch neue Untersuchungen zeigen, dass Fructose krank machen kann». Saldo zitiert Kaspar Berneis, Ernährungsexperte am Universitätsspital Zürich: «Dass zuviel Fructose schadet, ist wissenschaftlich erwiesen. Der Körper ist nur auf kleine Portionen eingestellt». Die Forscher vermuten, dass der Fruchtzucker die Anreicherung von Körperfett fördert. Auch im auf Ernährung spezialisierten Kantonsspital Winterthur KSW ist zu hören, dass bei Patienten mit metabolischem Syndrom und Hyperlipidämien Fructose nicht zu empfehlen sei.

Bei der Beurteilung der Zweckmässigkeit von Diätsüsswaren muss man differenzieren: Sowohl der Konsum von zuckerhaltigen wie auch alternativ gesüssten und allenfalls kalorienreduzierten Produkten soll gemäss der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE im Rahmen der Ernährungspyramide geschehen. Konkret: «täglich eine Portion Süsses mit oder ohne Zucker ist bezüglich Energiebilanz und Insulinabhängigkeit akzeptabel».

Die SGE gibt keine Empfehlungen ab zu Süssungskonzepten mit Zuckeralternativen sondern rät den Herstellern, den Süssegrad zu reduzieren bzw den Konsumenten, sich übersüsste Produkte abzugewöhnen. Generell sollten in einer ausgewogenen Kost maximal zehn Prozent der Energie aus Zucker stammen und dreissig Prozent aus Fett. Dezent gesüsste Süsswaren floppen jedoch meistens in Konsumententests, so dass sich die Marketingstrategen gegen diese Lösung wehren.

Fett verzögert die Resorption

Die SGE appelliert an die zuckersüchtigen «Heavy User» zu sparen wo sie können, was bei Getränken am einfachsten ist. Diabetiker sollen den Konsum im Rahmen des Diätplans einschränken, doch in ihrer Kost spielt nicht nur der Zucker- sondern auch der Fettgehalt eine Rolle: Fett verlangsamt die Aufnahme von Zucker ins Blut (übrigens auch Nahrungsfasern tun dies). Fettreiche Süssigkeiten dürfen daher für Diabetiker mit insulinabhängiger Saccharose gesüsst sein, sofern diese Produkte massvoll und im Rahmen der Diät konsumiert werden.



Fettreiche Süssigkeiten dürfen für Diabetiker mit Saccharose gesüsst sein, aber als Richtwert gilt max. zehn Prozent der Tagesenergiezufuhr, vorzugsweise in einer Hauptmahlzeit integriert.


Anders beim Thema Zahngesundheit: Beim Ausserhaus-Konsum, wo man nicht unmittelbar die Zähne putzen kann, sind zahnschonend gesüsste Produkte wie Kaugummi oder Hartbonbons vorteilhaft. Aber «zahnfreundlich» ist nicht gleichbedeutend mit «zuckerfrei». Die Anforderungen für das gesetzlich geregelte Prädikat «zahnschonend» sind hoch, da auch alle andern vergärbaren Inhaltsstoffe wie Stärke vermieden werden müssen. Ein solches Produkt darf weder kariogen noch erosiv sein, was ein Gesuchsteller im Einzelfall durch wissenschaftliche Studien nachweisen muss.

Für Kinder gelten laut SGE keine spezifischen Regeln im Umgang mit Süsswaren, aber Eltern sollten ihre Sprösslinge nicht dauernd naschen lassen. Wenn man sich an einen hohen täglichen Süssepegel gewöhnt, kommt man nur mit viel Selbstdisziplin wieder davon weg. Daher sollen Kinder auch künstlich Gesüsstes massvoll konsumieren.

Steigern Süssstoffe den Appetit?

Süssstoffe werden oft als indirekte Dickmacher kritisiert mit dem Argument, sie würden dem Körper Zucker vorgaukeln, so dass die Bauchspeicheldrüse Insulin ausstösst, was den Fettabbau drosselt und das Hungergefühl weckt. «Diesen so genannten «cephalischen lnsulinreflex» hatten britische Wissenschaftler nachgewiesen», berichtet das SGE-Ernährungsmagazin Tabula. «Allerdings konnte er durch weitere Studien nicht bestätigt werden. In Wasser gelöste Süssstoffe beeinflussen den Insulinspiegel nicht».

Bei der KSW-Ernährungsberatung meint man, dass Süssstoffe zwar teilweise unnötig aber nicht kontraproduktiv seien. Sinnvoll sei ihr Einsatz bei Light-Milchprodukten, -Konfitüre, -Kompott und besonders bei Light-Getränken. Grundsätzlich würden sich alle Süss- und Zuckeraustauschstoffe für Diabetiker eignen. Bei dieser Patientengruppe rechnet das KSW normal gezuckerte Desserts in der Tageskost ein, welche aber zurückhaltend konsumiert werden müssen. (GB)

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(gb)

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