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Druckansicht 30.12.2020
Fördert Alkohol wirklich die Fondue-Verdauung?
Wein zum Fondue oder ein Schnaps danach reduziert nur subjektiv das Völlegefühl. Effektiv verlangsamt Alkohol die Verdauung gemäss einer Studie des Universitätsspitals Zürich.


Alkohol ist das bessere Fett-Lösungsmittel als Wasser und kann eher Käseklumpen im Magen aufweichen, damit die Magensäure das Protein schneller abbauen kann. Auch die Gerbstoffe des Tees helfen beim Proteinabbau. Aber Alkohol hat unter dem Strich mehr negative als positive Wirkungen.


Wer während oder nach einer reichhaltigen Mahlzeit Alkohol trinkt, muss mit einer verzögerten Verdauung rechnen. Das fand ein schweizerisches Forscherteam in einer Studie mit Freiwilligen heraus, die alkoholische Getränke in Verbindung mit einem Käsefondue verabreicht bekommen hatten. Je nach Kombination der Getränke wurde die Mahlzeit unterschiedlich schnell verarbeitet: Am schnellsten verdauten diejenigen, die völlig auf Alkohol verzichtet hatten.

Schnaps fördere die Verdauung nach einem reichhaltigen Essen, so heisst es im Volksmund und auch ein Glas Wein empfinden viele Menschen als wohltuend in Verbindung mit einer Mahlzeit. Wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirkung von Alkohol auf die Verdauung gibt es zwar bereits. Sie kamen allerdings bisher zu keinen eindeutigen Ergebnissen.

Die aktuelle Studie weisst nun klar in die Richtung eines negativen Effekts des Alkohols auf die Verdauung hin. Darüber hinaus wurde die Wirkung nun zum ersten Mal an einer sehr fettreichen Mahlzeit untersucht. Gerade in diesem Fall wird dem Alkohol landläufig eine positive Wirkung zugesprochen.

Insgesamt 20 Studienteilnehmer im Alter zwischen 23 und 58 Jahren hatten je 200 Gramm geschmolzenen Käse mit 100 Gramm Brot verspeist. Während ein Teil der Probanden zum Essen ein Glas Weisswein bekam, tranken die anderen die gleiche Menge Schwarztee. 90 Minuten nach der Mahlzeit kippten die Probanden dann entweder ein Gläschen Schnaps, oder sie tranken die gleiche Menge Wasser.

Um herauszufinden, wie schnell die aufgenommene Nahrung verdaut wurde, hatten die Forscher vorab den Käse mit speziellen Molekülen markiert. Durch Atemtests nach dem Essen konnten sie den Abbau dieser Moleküle verfolgen - und damit die Verdauungsgeschwindigkeit beobachten.

Ergebnis: Diejenigen, die zum Essen Wein tranken, hatten wesentlich langsamer verdaut als die Teetrinker. Und das Glas Schnaps nach dem Essen verzögerte die Verdauung noch zusätzlich. Am schnellsten verlief die Nahrungsverarbeitung bei den Probanden, die weder Wein noch Schnaps zu sich nahmen. Fazit: Je mehr Alkohol, desto langsamer die Verdauung.

Alkohol lockert zwar die Magenmuskulatur - der Grund, weshalb ein Schnaps nach dem Essen das unangenehme Völlegefühl reduziert. Doch er verzögert gleichzeitig die Verdauung der Nahrung, sagen die Wissenschaftler. Damit habe der Alkohol kurzfristig gesehen zwar eine entspannende Wirkung auf den Magen. Längerfristig leide man aber mit Alkohol mehr unter Verdauungsstörungen als ohne. (Text: Mark Fox, Universitätsspital Zürich, et al.: British Medical Journal, wissenschaft.de)
(gb)

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