Foodfachzeitung im Internet
Admin aufrufen
Montag, 15. Juni 2026
Report
Druckansicht 07.04.2017
Schweizer Brot: das Image glänzt, der Konsum harzt
Schweizer Brot hat ein gutes Image, der Konsum nimmt jedoch ab. Die Bäckerei- und Getreidebranche antwortet mit Qualität, Flexibilität und vielfältigen Angeboten.



Um im Wettbewerb mit der ausändischen Konkurrenz zu bestehen, muss Schweizer Brot einen Mehrwert aufweisen.


Gemäss der Panelstudie "Schweizer Brot Nullmessung 2016" sind Herr und Frau Schweizer beim Brot zurückhaltender geworden. Laut subjektiver Einschätzung haben die Befragten den Konsum in den letzten beiden Jahren um rund einen Fünftel reduziert. Vor allem die ältere Bevölkerungsgruppe verzichtet öfter auf Produkte wie Zopf, Kleinbrote oder Gipfeli. Gleichzeitig belegt die Studie: "Schweizer Brot" geniesst in der Bevölkerung ein positives Image und wird als frisch, knusprig und qualitativ hochwertig wahrgenommen.

"Die Panelstudie bestätigt, dass Schweizer Brot ein hervorragendes Qualitätsimage geniesst", sagte Stephan Scheuner, Geschäftsführer Verein Schweizer Brot, gemäss einer Mitteilung. Das Thema "Swissness" spiele im rückläufigen Markt eine entscheidende Rolle. Viele Befragte würden eine entsprechende Deklaration bei der Vermarktung vermissen. Wichtig sei vor diesem Hintergrund die Neulancierung der Online-Kommunikationsplattform "Schweizer Brot", mit der die Leistungen der ganzen Schweizer Getreide- und Backwarenbranche aufgezeigt würden, so Scheuner.

"Ohne Schweizer Getreideproduktion kein Schweizer Brot", bringt Fritz Glauser als Präsident des Schweizerischen Getreideproduzentenverbands seine Position auf den Punkt. Schweizer Herkunft allein sei nicht mehr ausreichend für den Markterfolg: "Schweizer Getreide kann nicht über den Preis mit Importen konkurrenzieren - die Getreideproduzenten müssen weitere Mehrwerte bieten.



Weizenernte


Swissness heisst für die Getreidebranche: Hohe Qualität, Vielfalt und Rückverfolgbarkeit als sichtbarer Beitrag für den Erhalt der Schweizer Landschaft und Biodiversität." Die ganze Branche müsse "sichere Werte" bieten, was heute viel mehr als Versorgungssicherheit beinhalte: "Es geht um sichtbare Heimat – etwa beim Blick auf das Schweizer Landschaftsbild." Wichtig sei zudem der Erhalt einer eigenständigen Züchtung, betont Glauser. "Die Schweizer Sorten sind abgestimmt auf die klimatischen Bedingungen unseres Landes sowie die Bedürfnisse und Qualitätsanforderungen der Schweizer Verarbeitungsbranche."

Transparenz gefordert

Befragt zu den verschiedenen Labelprogrammen betont Fritz Glauser die Rolle der transparenten Information: "Die Vielfältigkeit in der Produktpalette ist wichtig, aber sicher nicht mit zu vielen Label. Die Transparenz, die Rückverfolgbarkeit ist wichtig und diese Botschaft muss einfach und klar sein. Nähe, Qualität und Frische stehen beim Brot im Vordergrund. Brot ist heute mehr als nur ein Grundnahrungsmittel, es vermittelt auch Genuss."

Glauser betont, dass sich die gewerblich-handwerklicher und die industrieller Herstellung heute qualitativ nicht mehr pauschal unterscheiden lasse. So sei die Qualität von Brot und Backwaren aus Tiefkühlteiglingen oft sehr gut. Tatsächlich stellen auch viele gewerbliche Bäckereien längst nicht mehr das ganze Sortiment selber her und setzen zumindest in ihren Filialverkaufsstellen vermehrt auf das Aufbacken von Tiefkühlteiglingen (Bild).

Anderseits betreibt die Migros seit vielen Jahren eigene Hausbäckereien, ein Konzept, das nun auch Coop an ausgewählten Standorten aufbaut. In den Manor-Supermärkten stellen direkt in de Verkaufsfläche integrierte handwerkliche Bäckereien seit bereits über 15 Jahren ein Biobrot-Vollsortiment her

Reto Weber ist Leiter der Bio Bäckerei als Teil des Arbeitsintegrationsunternehmens Vebo Genossenschaft in Oensingen (SO). "Ob Bio oder nicht - mir scheint wichtig, dass sich die gewerblichen Bäckereien auf die Qualität fokussieren. Qualität - bei den Produkten, bei der Präsentation im Verkauf und bei der Beratung der Kunden", so Weber zu den Kriterien für den langfristigen Erfolg. Er betont die Chancen und Vorteile von Kleinbetrieben: "Sie sind in der Regel flexibler als Grossbetriebe und können Trends schneller aufnehmen und umsetzen. Vorausgesetzt man ist offen für Neues."

"Wir überzeugen unsere Kunden von der Frische unserer Brote durch das Aufarbeiten des Teiges in der Filiale und durch das Backen des vor den Augen der Kundschaft", betont Konrad Pfister als Geschäftsführer der Bäckerei-Conditorei Fleischli AG in Niederglatt (ZH). Auch Konrad setzt auf die regionale Beschaffung: "Die regionale Beschaffung von qualitativ hochstehenden Rohmaterialien wird für uns immer wichtiger. Das Mehl kommt aus dem Zürcher Unterland, das Fleisch vom Bauern aus Niederglatt, die Eier von Steinmauer und selbst die Butter stammt aus der Region, regionale Artikel erzeugen Vertrauen beim Konsumenten."

Zahlen zum Schweizer Brotkonsum

Im Auftrag des Vereins Schweizer Brot erhobene telefonische Kundenbefragung im Herbst 2016 zum Kauf- und Konsumverhalten sowie zur Wahrnehmung von Schweizer Brot. Befragt wurde eine repräsentative Auswahl von 1036 Personen aus der Deutsch- und Westschweiz.

Gemäss der Panelstudie essen 99 % der Befragten Brot. 83 % bewerten Schweizer Brot als sehr positiv. Bei 63 % blieb der Brotkonsum in den letzten zwei Jahren gleich, bei 26 % nahm er ab und bei 11 % zu.

Die Angaben zum Einkaufsort zeigen die Vielfalt der heutigen Anbieter von Brot und Backwaren:
74 % nannten die Migros,
71 % die Bäckerei,
55 % Coop,
16 % Tankstellenshops,
13 % Markt/Bauernhof,
12 % Volg,
9 % Aldi
9% Lidl
8 % Denner.
Immerhin 16 % gaben zudem an, häufig selber Brot zu backen.
Zur Interpretation der Zahlen ist zu beachten, dass Mehrfachnennungen möglich waren.
(Text: Peter Jossi)
(gb)

Report – die neuesten Beiträge
14.06.2026
dDelikate Muscheln und Krebse aus Schweizer Gewässern
31.05.2026
d Auberginen: Mediterranes Flair aus Schweizer Anbau
17.05.2026
dErdbeeren: Süsser Höhepunkt des Frühsommers
03.05.2026
dAllzu scharf kann gesundheitlich riskant sein
25.04.2026
dEinheimische Weine gewinnen Marktanteile
10.04.2026 dBacken mit Honig
31.03.2026 d Das Ei: Wunder der Natur
23.03.2026 dMorchelsaison startet
08.03.2026 dSlow Food Markt Zürich 2026 im Rückblick
27.02.2026 dDörrfrüchte von Äpfeln über Beeren bis Steinobst
13.02.2026 d Brot backen ist Kunsthandwerk
04.02.2026 dSchweizer Büffelfleisch auf den Teller
26.01.2026 dRoggenbrot ist Brot des Jahres
14.01.2026 dGesundheitsrisiken in der Teflonpfanne?
28.12.2025 dAnstossen mit Schweiz im Glas
19.12.2025 dWeihnachten clever kochen und geniessen
11.12.2025 d Trutenbraten zum Weihnachtsfest
01.12.2025 d Lebkuchen: Duft von St. Nikolaus
23.11.2025 dMikronährstoffe bei fleischloser Ernährung
09.11.2025 dRomanesco: vitaminreicher farbenfroher Türmchenkohl
28.10.2025 dKürbis: Eine uralte Kulturpflanze im Hoch
20.10.2025 dHerbstliche Quitten richtig verarbeiten
13.10.2025 dOffiziell beste Regionalprodukte 2025
07.10.2025 dWas genau sind hochverarbeitete Lebensmittel?
29.09.2025 dSchweizer Wildfleisch – stark gefragt aber meist importiert
16.09.2025 dHigh-Protein: oft mehr Schein als Sein
09.09.2025 dSaisonales Obst und Gemüse einfrieren
31.08.2025 dVor- und Nachteile von Käse aus Milch oder vegan
22.08.2025 dETH verbessert Laborfleisch aus Rindsmuskelfasern
13.08.2025 dVielseitige gesunde proteinreiche Erbsen
©opyrights ...by ask, ralph kradolfer, switzerland