Foodfachzeitung im Internet
Donnerstag, 13. August 2026
Report
Druckansicht22.05.2024
Food-Handwerker mit wissenschaftlichen Ambitionen
Köche sind die vielseitigsten Lebensmittelhandwerker und sie haben gegenüber Metzgern, Molkeristen, Bäckern etc einen Vorteil: sie produzieren traditionellerweise verzehrfertige Produkte. Haltbarmachung und Verpackung ist für sie kein Thema.

Köche können ihre Produkte bis zur Abgabe verändern (abschmecken, binden, bräunen usw). Und sie benötigen kein tiefes Verständnis für die Prozesse. Ihre Beobachtungen sind meistens korrekt, nur wenn sie die Mechanismen versuchen zu erklären, liegen sie manchmal daneben.

So sagte einmal ein Fernsehkoch, als er Schmorfleisch mit Wein ablöschte, dass die Säure den Garprozess stoppt. In der Tat hört die Garung auf, denn das grosse Volumen der kalten Flüssigkeit senkt die Temperatur der Charge stark, aber die Säure spielt dabei keine Rolle.

Bäcker, Metzger, Molkeristen benötigen ein Minimum an Verständnis für wissenschaftliche Grundlagen der Lebensmitteltechnologie, aber brauchen dies auch Köche? Schon vor 20 Jahren fand es der Kochverband sinnvoll und organisierte zusammen mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW sogenannte Bromatikkurse für Köche.

Wenige Jahre später entstand die «molekulare Küche». Köche experimentierten mit flüssigem Stickstoff, Schäumen, Geliermitteln und gefüllten Alginatperlen (Bild). Der Zweck war oft vor allem ein Showeffekt. Der kulinarische Mehrwert war Ansichtssache.

Hatten sie früher Zusatzstoffe in Halbfabrikaten aus der Industrie kritisiert, verwendeten sie nun selber solche und sogar in reiner Form und auch künstliche wie Carboxymethylcellulose. Dies weil sie selber einen Nutzen daraus zogen.

Im 2011 wurde die Stiftung Molecuisine (heute Innocuisine) gegründet. Sie bietet wissenschaftliche Weiterbildung an und befähigt ambitiöse Koch- und Back-Handwerker zu Innovationen auf höherem Niveau (und Fernsehköche oder Blogger zu fundierteren Kommentaren).

Einige Enthusiasten unter ihnen sind sogar so fasziniert von der Wissenschaft, dass sie heute sogar Chemielaborgeräte einsetzen, um exklusive Halbfabrikate für den Eigenbedarf zu kreieren: zum Bsp. Gefriertrockner, Rotationsverdampfer, Fermentierungsgeräte usw. aus dem sogenannten Semi-Labor-Bereich. Das fördert ihre Innovationskraft und ermöglicht einzigartige Gerichte zu kreieren ohne von Industrieprodukten abhängig zu sein, die auch allen Konkurrenten zur Verfügung stünden.


Rotationsverdampfer in der Gastro-Küche


Sollten Köche aber dereinst ihre Produkte auch verpacken und in den Handel bringen, stellt sich ihnen dieselbe Herausforderung wie den andern handwerklichen oder industriellen Produzenten: Haltbarkeit eruieren, gesetzliche Deklarationen erarbeiten, Investitionen in Verpackungsmaschinen etc. Und die Mentalität anpassen: Vorverpackte Handelsprodukte haben einen höheren Schwierigkeitsgrad. (GB)

(gb)

Report – die neuesten Beiträge
07.08.2026
d Jetzt Birnen: Süss, saftig aber sensibel
24.07.2026
dStrauchbeeren im Trend
15.07.2026
dBündner Rohschinken ersucht IGP-Anerkennung
07.07.2026
dGartenbohnen auf den Teller
23.06.2026
dTrend Fibermaxxing - wie viele Ballaststoffe sind nötig?
14.06.2026dDelikate Muscheln und Krebse aus Schweizer Gewässern
31.05.2026d Auberginen: Mediterranes Flair aus Schweizer Anbau
17.05.2026dErdbeeren: Süsser Höhepunkt des Frühsommers
03.05.2026dAllzu scharf kann gesundheitlich riskant sein
25.04.2026dEinheimische Weine gewinnen Marktanteile
10.04.2026dBacken mit Honig
31.03.2026d Das Ei: Wunder der Natur
23.03.2026dMorchelsaison startet
08.03.2026dSlow Food Markt Zürich 2026 im Rückblick
27.02.2026dDörrfrüchte von Äpfeln über Beeren bis Steinobst
13.02.2026d Brot backen ist Kunsthandwerk
04.02.2026dSchweizer Büffelfleisch auf den Teller
26.01.2026dRoggenbrot ist Brot des Jahres
14.01.2026dGesundheitsrisiken in der Teflonpfanne?
28.12.2025dAnstossen mit Schweiz im Glas
19.12.2025dWeihnachten clever kochen und geniessen
11.12.2025d Trutenbraten zum Weihnachtsfest
01.12.2025d Lebkuchen: Duft von St. Nikolaus
23.11.2025dMikronährstoffe bei fleischloser Ernährung
09.11.2025dRomanesco: vitaminreicher farbenfroher Türmchenkohl
28.10.2025dKürbis: Eine uralte Kulturpflanze im Hoch
20.10.2025dHerbstliche Quitten richtig verarbeiten
13.10.2025dOffiziell beste Regionalprodukte 2025
07.10.2025dWas genau sind hochverarbeitete Lebensmittel?
29.09.2025dSchweizer Wildfleisch – stark gefragt aber meist importiert
©opyrights ...by ask, ralph kradolfer, switzerland