Foodfachzeitung im Internet
Sonntag, 20. Juni 2021
Publireportage
11.05.2021
Gebäude mit Hochleistungs-Kühltechnik und Bürofläche steht zum Verkauf

Neuwertiges Gebäude mit Hochleistungskühltechnik und Büroflächen – einmalige Gelegenheit für Unternehmen im Lebensmittel-Frischebereich in Niederglatt (ZH), in unmittelbarer Nähe zum Flughafen Zürich und zum Autobahnanschluss.
Report
Druckansicht21.01.2021
Mehlwürmer als Lebensmittel oder Abfallverwerter
Insekten können grosse Mengen an organischem Abfall verwerten. Auch die Produktion von Insekten als Lebensmittel ist möglich. Nicht erlaubt ist aber derzeit die Doppelnutzung.



Insektenzüchter Essento an einem Delikatessen-markt


Mittlerweile ist der Anblick von Plastikbeutel gefüllt mit getrockneten oder frittierten Insekten in den Regalen der Grossverteiler nicht mehr ganz so ungewohnt wie noch im Mai 2017. Damals wurden in der Schweiz drei Arten von Insekten vom Bund offiziell zum Verzehr zugelassen: Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken. Doch stehen Insekten noch immer selten auf dem Einkaufszettel der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten; Insekten als alternative Proteinquelle sind bisher ein Nischenprodukt geblieben. «Aber die Nachfrage nach Insekten wächst relativ stabil auf tiefem Niveau und das Interesse an Insekten nimmt laufend zu», sagt Timothée Olivier, Sprecher des Verbands Swiss Insects.

Der Geschmack sei dabei nicht das Problem, ist Olivier überzeugt. «Es hat vielmehr mit Kultur zu tun. Wir müssen den angelernten Ekel in unserem Bewusstsein überwinden und beseitigen. Zudem gibt es bereits sehr viele gute Alternativ-Produkte zu Fleisch wie Soja-, Quorn- und Tofuprodukte oder Erbsenprodukte, sagt Olivier. Wenn die Insektenbranche sich als mehr als ein Nischenprodukt am Markt etablieren wolle, müsse noch einiges geschehen, ist er überzeugt.

«Die Produkte der Insektenbranche müssen eine leckere Alternative zu anderen tierischen Proteinen sein. Dabei spielt der Zeitfaktor eine zentrale Rolle: Die Leute müssen diese neuen Produkte zuerst einmal kennenlernen und probieren», sagt Olivier. Immerhin seien inzwischen zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung bereit, Insekten zu essen, während 2017 erst ein Drittel dazu bereit gewesen wäre.

Hier tut sich eine weitere Einsatzmöglichkeit von Insekten auf: Die Beseitigung von Abfall. In Australien werden dafür seit Kurzem Schwarze Soldatenfliegen eingesetzt. Die Fliegen ernähren sich von landwirtschaftlichen Abfällen. Dabei entstehen gemäss dem natürlichen Lebenszyklus der Insekten auch Larven. Diese, aber auch die Exkremente der Insekten, sind reich an Proteinen. Landwirtschaftliche Abfälle können so in hochwertige Düngemittel und potenziell in Proteinquellen für Viehfutter - vor allem Schweinefutter - umgewandelt werden, erklärte Sasha Jenkins vom Agrar-Institut der University of Western Australia (UWA) laut einer Mitteilung.

Ein ähnliches Projekt ist für die Firma Ensectable aus zwei Gründen nicht denkbar: Erstens sind Soldatenfliegen in der Schweiz offiziell nicht zur Insektenzucht zugelassen und zweitens züchtet die Firma ausschliesslich Insekten für die menschliche Ernährung. «Tierfutter passt nicht in unser Konzept. Mit jeder zusätzlichen Stufe der Nahrungskette geht wertvolle Energie verloren», sagt Olivier. Mit wissenschaftlicher Akribie habe das Ensectable-Team bestehend aus dem Tierarzt Benjamin Steiner, der Tierpflegerin Mina Gloor und dem Business-Spezialisten Christian Bärtsch erforscht, wie man Insekten am effizientesten züchtet. Dieses Wissen gibt das Ensectable-Team via den Verband Swiss Insects auch an Interessierte weiter und bietet Workshops und Schulbesuche an.

Dabei sind Insekten erstaunlich effiziente Futterverwerter. «Studien gehen in optimistischen Szenarien davon aus, dass Werte von bis zu 2:1 möglich sind. Das heisst 2 Kilogramm Futter ergeben 1 Kilogramm Insekten», sagt Olivier. Ein Hinweis darauf, dass Insekten vielleicht bald einen wesentlichen Teil von Abfallproblemen lösen könnten, vermutet Olivier. Doch nur, wenn es gelinge, den Markt für Futterinsekten und essbare Insekten entsprechend auszubauen und zu etablieren. Zudem wäre die Grundbedingung dafür, dass parallel dazu eine generelle Reduktion von Abfall erreicht werden kann.

Doppelnutzung ist noch nicht möglich

Wer liest, dass Mehlwürmer Mist oder Styropor fressen, mag sich fragen, ob diese Insekten anschliessend als essbare Insekten zum Grossverteiler gelangen. «Aktuell muss man diese Frage mit ‘Nein’ beantworten. Abfallverwerter sind keine Proteinproduzenten», sagt Olivier. Die Anforderungen an die Lebensmittelproduktion seien hoch. Die Lebensmittelgesetzgebung regelt genau, welche Stoffe als Futtermittel verwendet werden dürfen. Und das sei auch gut so, betont Olivier: «Wir haben aus vergangenen Skandalen wie BSE oder Schweinepest unsere Lehren gezogen».



Mehlwürmer


Trotzdem sollte aus seiner Sicht die Frage nach einer Doppelnutzung der Insekten in Zukunft erneut aufgerollt werden. «Insekten sind genetisch sehr weit vom Menschen entfernt - viel weiter als Rinder oder Schweine. Darum ist es gut möglich, dass in Zukunft solche ‘Mischnutzungen’ unter Auflagen möglich sein werden», sagt Timothée Olivier. Zudem werden zum Beispiel die Mehlwürmer der Firma Ensectable bereits heute mit Gemüse gefüttert, das nicht der Norm entspricht und deshalb nicht verkauft werden kann. So gesehen tragen die Würmer bereits heute etwas gegen Food Waste bei.

Insekten statt Kühe im Stall

Eine Insektenzucht muss dem kantonalen Veterinäramt gemeldet werden. Wer Lebensmittelinsekten produzieren und in den Verkehr bringen will, muss dafür zudem eine Bewilligung vom Lebensmittelinspektorat haben. Wer sich an diese Vorgaben hält, kann grundsätzlich mit der Zucht von essbaren Insekten loslegen. Auch als weiteres Standbein für landwirtschaftliche Betriebe sei die Zucht von Insekten gut denkbar, meint Olivier. So könnten auf den Betrieben auch gleich organische Abfälle wie unverkauftes Gemüse oder andere sogenannte ‘Sidestreams’ beseitigt werden. «Die Zuchträume für die Insekten sind sehr gut isoliert. Eine zusätzliche Heizung ist auch im Winter kaum nötig, die Insekten heizen ihren Raum selbst», sagt Olivier. Zudem sind die Insekten in diesem gut isolierten Raum sicher vor wilden Insekten geschützt, mit denen sie sich sonst genetisch vermischen würden.

Die Zucht von Insekten könne die konventionelle Fleischproduktion gut ergänzen, sagt er. Insekten statt Kühe im Stall? Warum nicht, meint Timothée Olivier. Insekten hätten ein für die menschliche Ernährung interessantes Nährstoffprofil. So können organische Nebenprodukte effizient in nährstoffreiche, gesunde Lebensmittel umgewandelt werden. Dies sei ökologisch gesehen sogar sinnvoller, als beispielsweise die Produktion von Biogas, sagt Olivier.

Töten durch Kochen

Und auch der ethische Aspekt ist etwas weniger problematisch als bei der klassischen Fleischproduktion. Denn um die Insekten für den Verzehr zu töten, gibt es diverse effektive Methoden. «Am häufigsten werden Insekten gekocht, tiefgefroren oder mit Stickstoff oder CO2 begast», sagt Olivier. Es sei auch von der Spezies und deren weiteren Verarbeitung abhängig, welche Methode am sinnvollsten sei. Bei Ensectable habe man sich für das direkte Kochen entschieden. «Dies ist auch aus Tierschutzsicht eine gute Entscheidung: die Mehlwürmer sterben bei dieser Methode im Bruchteil einer Sekunde ab», sagt Olivier.

Er glaubt, dass die eher zögerliche Nachfrage nach Insekten auch damit zu tun hat, dass von viele Studien über die Verwertung von Insektenprotein im menschlichen Körper ausstehend sind. «Insekten enthalten beispielsweise viel Eisen. Aber wie gut wird das Eisen absorbiert? Wie gut das Protein und wie hoch ist die Proteinwertigkeit?», sagt Olivier. Diese Fragen seien noch offen und ihre Beantwortung könnte dem Insektenprotein in Zukunft nochmals Schub verleihen, ist er überzeugt. (LID)
(gb)

Report – die neuesten Beiträge
17.06.2021
dFleisch statt Spinat bei Eisenmangel
10.06.2021
dHoher Genusswert moderner Bioprodukte
03.06.2021
dGesundes vom Grill
27.05.2021
dUrdinkel – einst verdrängt nun wieder voll im Trend
20.05.2021
dFleischmarinade mit oder ohne Öl, Salz und Glutamat?
14.05.2021dSpargel-Tipps für Einkauf und Verarbeitung
06.05.2021dBalsamessig, aromatisierter Essig oder Verjus?
29.04.2021dBarbecue vom Smoker oder Grill
22.04.2021dGesunde Ernährung für ein gesundes Immunsystem
15.04.2021dBesonderheit der Handwerks-Backwaren
08.04.2021dMysteriöse Reizstoffe und Bitterstoffe im Kaffee
02.04.2021dGitzi, Lamm, Kaninchen professionell einkaufen und zubereiten
25.03.2021dWo punkten Bioprodukte? Tierwohl, Umwelt, Gesundheit?
18.03.2021dBanane – Naturprodukt aber Wunder der Logistik
11.03.2021dDer Hering ist Fisch des Jahres 2021
04.03.2021dJetzt selber Brot backen: wie und warum
25.02.2021dSchweizer Weinbranche in der Krise
18.02.2021dErforscht: Warum Käse zum Dessert?
11.02.2021dTierische Nebenprodukte verwerten statt vernichten
04.02.2021dDichtung und Wahrheit über Brot-Nährwert
28.01.2021dWas Sie schon immer über Senf wissen wollten und nicht zu fragen wagten
21.01.2021dMehlwürmer als Lebensmittel oder Abfallverwerter
14.01.2021dAchtung vor trendigen Mogeldiäten
07.01.2021dSchonend räuchern im Trend
30.12.2020dFördert Alkohol wirklich die Fondue-Verdauung?
24.12.2020dPanettone als Weihnachtsgeschenk
17.12.2020dTrocken-Gartechniken im Überblick
10.12.2020dHat Töten männlicher Küken bald ein Ende?
03.12.2020dMassentierhaltungs-Initiative: Kein Billigfleisch mehr in der Schweiz?
26.11.2020dUmstritten: Vegi-Produkte mit Namen tierischer Originale
Ecke für Profis
18.06.2021
.Bäckerei: Plädoyer für modernen Brotweizen

Einige US-amerikanische Bestseller-Autoren bezeichnen „modernen“ Weizen als Krankmacher, Stichworte: FODMAPs, gluten. Die Universität Hohenheim kontert mit wissenschaftlichen Argumenten und Studienergebnissen.




Navigations-Tipp:
Für die Smartphone-Ansicht klicken Sie auf Druckansicht.



©opyrights ...by ask, ralph kradolfer, switzerland