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Druckansicht11.04.2024
Bio bei Aldi und Lidl bis 25% billiger als bei Migros und Coop
Die Preisschere zwischen Bio- und konventionellen Produkten hat sich bei Migros und Coop sogar noch vergrössert. Aber Aldi und Lidl verkaufen Bioprodukte deutlich billiger. Gefordert werden faire Preise für Biobauern und Konsumenten.



Von einem Franken, den Konsumenten für Bioprodukte ausgeben, erhalten die Bauern nur 33%. Bei günstigen Standardprodukten liegt dieser Anteil hingegen bei 41%.


Ein halbes Jahr nach der Lancierung des Preismonitors von Faire Märkte Schweiz (FMS) wurde dessen Zweitauflage berechnet. Es soll periodisch überprüft werden, ob die im Monitor im letzten Jahr festgestellte Benachteiligung von Bioprodukten und deren Produzenten zurückgegangen ist. “Leider Nein!”, sagt FMS-Präsident Stefan Flückiger. Aufgrund der neuen Ergebnisse muss die Preispolitik der beiden Grossverteiler Migros und Coop als Nachhaltigkeit-Leaders erneut kritisiert und hinterfragt werden: die Preise bei Bio- und Labelprodukten sind nach wie vor sehr hoch und die Differenz zu Standardprodukten hat sich sogar noch etwas weiter erhöht.

Eine Neuheit ist die Erweiterung des Monitors mit den Daten der Discounter Aldi und Lidl: Deren schlanke Preiskalkulation dürfte ihre Stellung als Bioanbieter, die heute noch auf tiefem Niveau ist, beschleunigen. Der Mittelwert der Preisdifferenzen zwischen dem Konsumenten- und Produzentenpreis, der einen Hinweis auf die Bruttomarge liefert, liegt bei den untersuchten Bioprodukten im Discount um rund 25% tiefer als bei den Grossverteilern Migros und Coop. Die Discounter bringen die Nachhaltigkeit deutlich kostengünstiger an die KonsumentInnen.

Die Grundlage für den Preismonitor, dessen Resultate kürzlich publiziert wurden, hat die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) im Auftrag von Faire Märkte Schweiz (FMS) entwickelt. Damit lässt sich die Preisbildung in den Nahrungsmittelmärkten in Zusammenhang mit der Nachhaltigkeits- und Fairnessdebatte diskutieren. Der Monitor gibt Antworten, wie es um die Konkurrenzfähigkeit von Bio- und Nachhaltigkeitsprodukten gegenüber Standardprodukten steht und wie stark sich die Produzentinnen und Produzenten am Endpreis beteiligen können. Der Preismonitor umfasst Produkte aus diversen Sortimentsbereichen wie Milchprodukte, Fleisch, Eier, Kartoffeln und Mehl.

Unfaire Handelspraktiken durch zu viel Marktmacht

Der Preismonitor liefert auch Indizien für unfaire Handelspraktiken, die bei Missbrauch von Marktmacht vorliegen. Die teilweise grossen Preisdifferenzen lassen vermuten, dass dies mit der Ausnutzung der Marktmacht der beiden Grossverteiler Migros und Coop zu tun hat, die zusammen etwa 80 Prozent des Lebensmittelhandels in der Schweiz kontrollieren.



Der Absatz von Bio- und Labelprodukten stagniert bei Fleisch, weil Konsumenten hohe Aufpreise für Bio-Produkte bezahlen


Diese Marktkonstellation spielt einerseits eine Rolle für die Produzenten: Beim Einkauf der Rohprodukte stehen die Bauern vermehrt unter Preisdruck. Dies sorgt auch dafür, dass die Produzentenpreise für Bioprodukte oft nur wenig höher sind als die Preise für konventionelle Produkte. Andererseits ist die Marktmacht auch beim Verkauf an die Konsumenten und Konsumentinnen relevant: Bei Bio- und Labelprodukten herrscht weniger Wettbewerb und somit ist es den beiden Grossverteilern, die bei den Nachhaltigkeitsprodukten marktbeherrschend sind, möglich, einer kleineren Anzahl von bewussteren und zahlungskräftigeren Kunden höhere Preise durchzudrücken. Gemäss Studie scheinen die beiden Grossverteilern für Bioprodukte im Durchschnitt deutlich höhere Bruttomargen zu kalkulieren als für Standardprodukte – laut den berechneten Indikatoren sind diese rund doppelt so hoch.

Die vorliegende Studie liefert auch eine ökonomische Erklärung für die Feststellung, dass der Absatz von Bio- und Labelprodukten, etwa bei Fleisch, in den letzten Jahren stagniert. Konsumenten und Konsumentinnen müssen hohe Aufpreise für Bio-Produkte bezahlen, deren preissensibler Absatz dadurch gebremst wird. Soll der nachhaltige und umweltschonende Anbau weiter gefördert werden, dann müssen im Markt andere Anreize geschaffen werden Andernfalls kann der vom Bund und der Gesellschaft geforderte Wandel hin zu nachhaltigen Ernährungssystemen nicht realisiert werden.

Nachhaltigkeit heisst auch eine faire Wertschöpfungsverteilung, indem sich Bäuerinnen und Bauern an den höheren Preisen beteiligt können, weil sie die eigentlichen Erbringer der Nachhaltigkeitsleistungen sind. FMS fordert, auch auf Basis der Resultate des Preismonitors, eine Preisbildung, die auch die Produzenten von Bioprodukten fair entschädigt und den Konsumenten nicht überhöhte Preise aufbürdet. Dabei sollte der Wertschöpfungsanteil beim Handel mit Bioprodukten nicht systematisch höher sein als bei konventionellen Produkten, so wie dies heute der Fall ist. Letztlich muss es sich für die Biobäuerinnen und Bauern finanziell lohnen, auf den nachhaltigen oder ökologischen Anbau umzustellen. (Faire Märkte Schweiz FMS https://fairemaerkteschweiz.ch)

Stichwort: .Detailhandel:
(gb)

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