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Report
Druckansicht07.04.2017
Schweizer Brot: das Image glänzt, der Konsum harzt
Schweizer Brot hat ein gutes Image, der Konsum nimmt jedoch ab. Die Bäckerei- und Getreidebranche antwortet mit Qualität, Flexibilität und vielfältigen Angeboten.



Um im Wettbewerb mit der ausändischen Konkurrenz zu bestehen, muss Schweizer Brot einen Mehrwert aufweisen.


Gemäss der Panelstudie "Schweizer Brot Nullmessung 2016" sind Herr und Frau Schweizer beim Brot zurückhaltender geworden. Laut subjektiver Einschätzung haben die Befragten den Konsum in den letzten beiden Jahren um rund einen Fünftel reduziert. Vor allem die ältere Bevölkerungsgruppe verzichtet öfter auf Produkte wie Zopf, Kleinbrote oder Gipfeli. Gleichzeitig belegt die Studie: "Schweizer Brot" geniesst in der Bevölkerung ein positives Image und wird als frisch, knusprig und qualitativ hochwertig wahrgenommen.

"Die Panelstudie bestätigt, dass Schweizer Brot ein hervorragendes Qualitätsimage geniesst", sagte Stephan Scheuner, Geschäftsführer Verein Schweizer Brot, gemäss einer Mitteilung. Das Thema "Swissness" spiele im rückläufigen Markt eine entscheidende Rolle. Viele Befragte würden eine entsprechende Deklaration bei der Vermarktung vermissen. Wichtig sei vor diesem Hintergrund die Neulancierung der Online-Kommunikationsplattform "Schweizer Brot", mit der die Leistungen der ganzen Schweizer Getreide- und Backwarenbranche aufgezeigt würden, so Scheuner.

"Ohne Schweizer Getreideproduktion kein Schweizer Brot", bringt Fritz Glauser als Präsident des Schweizerischen Getreideproduzentenverbands seine Position auf den Punkt. Schweizer Herkunft allein sei nicht mehr ausreichend für den Markterfolg: "Schweizer Getreide kann nicht über den Preis mit Importen konkurrenzieren - die Getreideproduzenten müssen weitere Mehrwerte bieten.



Weizenernte


Swissness heisst für die Getreidebranche: Hohe Qualität, Vielfalt und Rückverfolgbarkeit als sichtbarer Beitrag für den Erhalt der Schweizer Landschaft und Biodiversität." Die ganze Branche müsse "sichere Werte" bieten, was heute viel mehr als Versorgungssicherheit beinhalte: "Es geht um sichtbare Heimat – etwa beim Blick auf das Schweizer Landschaftsbild." Wichtig sei zudem der Erhalt einer eigenständigen Züchtung, betont Glauser. "Die Schweizer Sorten sind abgestimmt auf die klimatischen Bedingungen unseres Landes sowie die Bedürfnisse und Qualitätsanforderungen der Schweizer Verarbeitungsbranche."

Transparenz gefordert

Befragt zu den verschiedenen Labelprogrammen betont Fritz Glauser die Rolle der transparenten Information: "Die Vielfältigkeit in der Produktpalette ist wichtig, aber sicher nicht mit zu vielen Label. Die Transparenz, die Rückverfolgbarkeit ist wichtig und diese Botschaft muss einfach und klar sein. Nähe, Qualität und Frische stehen beim Brot im Vordergrund. Brot ist heute mehr als nur ein Grundnahrungsmittel, es vermittelt auch Genuss."

Glauser betont, dass sich die gewerblich-handwerklicher und die industrieller Herstellung heute qualitativ nicht mehr pauschal unterscheiden lasse. So sei die Qualität von Brot und Backwaren aus Tiefkühlteiglingen oft sehr gut. Tatsächlich stellen auch viele gewerbliche Bäckereien längst nicht mehr das ganze Sortiment selber her und setzen zumindest in ihren Filialverkaufsstellen vermehrt auf das Aufbacken von Tiefkühlteiglingen (Bild).

Anderseits betreibt die Migros seit vielen Jahren eigene Hausbäckereien, ein Konzept, das nun auch Coop an ausgewählten Standorten aufbaut. In den Manor-Supermärkten stellen direkt in de Verkaufsfläche integrierte handwerkliche Bäckereien seit bereits über 15 Jahren ein Biobrot-Vollsortiment her

Reto Weber ist Leiter der Bio Bäckerei als Teil des Arbeitsintegrationsunternehmens Vebo Genossenschaft in Oensingen (SO). "Ob Bio oder nicht - mir scheint wichtig, dass sich die gewerblichen Bäckereien auf die Qualität fokussieren. Qualität - bei den Produkten, bei der Präsentation im Verkauf und bei der Beratung der Kunden", so Weber zu den Kriterien für den langfristigen Erfolg. Er betont die Chancen und Vorteile von Kleinbetrieben: "Sie sind in der Regel flexibler als Grossbetriebe und können Trends schneller aufnehmen und umsetzen. Vorausgesetzt man ist offen für Neues."

"Wir überzeugen unsere Kunden von der Frische unserer Brote durch das Aufarbeiten des Teiges in der Filiale und durch das Backen des vor den Augen der Kundschaft", betont Konrad Pfister als Geschäftsführer der Bäckerei-Conditorei Fleischli AG in Niederglatt (ZH). Auch Konrad setzt auf die regionale Beschaffung: "Die regionale Beschaffung von qualitativ hochstehenden Rohmaterialien wird für uns immer wichtiger. Das Mehl kommt aus dem Zürcher Unterland, das Fleisch vom Bauern aus Niederglatt, die Eier von Steinmauer und selbst die Butter stammt aus der Region, regionale Artikel erzeugen Vertrauen beim Konsumenten."

Zahlen zum Schweizer Brotkonsum

Im Auftrag des Vereins Schweizer Brot erhobene telefonische Kundenbefragung im Herbst 2016 zum Kauf- und Konsumverhalten sowie zur Wahrnehmung von Schweizer Brot. Befragt wurde eine repräsentative Auswahl von 1036 Personen aus der Deutsch- und Westschweiz.

Gemäss der Panelstudie essen 99 % der Befragten Brot. 83 % bewerten Schweizer Brot als sehr positiv. Bei 63 % blieb der Brotkonsum in den letzten zwei Jahren gleich, bei 26 % nahm er ab und bei 11 % zu.

Die Angaben zum Einkaufsort zeigen die Vielfalt der heutigen Anbieter von Brot und Backwaren:
74 % nannten die Migros,
71 % die Bäckerei,
55 % Coop,
16 % Tankstellenshops,
13 % Markt/Bauernhof,
12 % Volg,
9 % Aldi
9% Lidl
8 % Denner.
Immerhin 16 % gaben zudem an, häufig selber Brot zu backen.
Zur Interpretation der Zahlen ist zu beachten, dass Mehrfachnennungen möglich waren.
(Text: Peter Jossi)
(gb)

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