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Report
Druckansicht16.08.2008
Top-Bioweine einer Walliser Vollblut-Winzerin
Weinbau ist keine Männerdomäne. Es gibt viele erfolgreiche Winzerinnen. Eine von ihnen ist die Unterwalliserin Marie-Thérèse Chappaz.



Winzerin aus Leidenschaft:
Marie-Thérèse Chappaz in Fully VS


Was uns Marie-Thérèse Chappaz an Weinen präsentiert, ist von eindrücklicher Präzision und besonderer Klasse. Insbesondere ihre Süssweine erlangen stets beste Bewertungen. Ihr Betrieb umfasst 6,5 Hektaren Reben, verteilt auf über 30 Parzellen in den Unterwalliser Orten Fully, Charrat, Martigny, Leytron, Chamoson und Saillon. Von Fully stammen Weiss- und Rotweine aus den Lagen La Liaudisaz und Les Claives.

In Martigny bewirtschaftet sie in der Lage Les Bans eine Chasselas-Parzelle. In Charrat wird in der Lage Les Esserts Pinot noir kultiviert. Der Grain sauvage Humagne rouge stammt aus der Lage Planche Billon in Fully. In Leytron stehen ebenfalls Humagne rouge und Cornalin im Ertrag. Die beiden ergeben den Grain Mariage. Ausserdem wird in Leytron die Sorte Malvoisie angebaut, wie Pinot gris im Wallis heisst.

Die Lage Chamoson liefert Pinot-noir- und Gamay-Trauben für die beiden Dôle. Sie zeigen sich frisch und fruchtig. Es empfiehlt sich, «Ma puisnée» in seinen jungen Jahren zu trinken. Es ist ein Alltagswein, der gut zu verschiedenen Käsen und Fleischplatten passt. Der Dôle La Liaudisaz ist Trinkvergnügen pur: Der Duft nach reifen Früchten verführt die Nase, im Gaumen schmiegt sich der Wein an wie eine junge Katze. Dôle von Marie-Thérèse Chappaz ist eine Assemblage aus Pinot noir, Gamay und etwas Diolinoir, der zu festlichem Essen passt.

Furore macht Marie-Thérèse Chappaz mit ihren komplexen, vollsüssen Dessertweinen. Diese Spätlesen, die sich wie Sauternes dank Edelfäule (pourriture noble oder Botrytis) zu intensiver Süsse konzentrieren, können nur in Kleinstmengen geerntet werden, sind daher rar und sehr gefragt.

Fasziniert und überzeugt, wie heute eine grosse Anzahl von Spitzenproduzenten auf der ganzen Welt, setzt sie voll auf den biologisch-dynamischen Weinbau. Aus Chardonnay, Petit Rhin und Petite Arvine keltert die Vollblutwinzerin einen Süsswein, der begeistert: In der Nase zitrische Noten und Litschi, im Gaumen entfaltet der Wein seine grosse aromatische Palette. Ideal zum Aperitif oder zur Leberpastete. Würzige Noten verströmt die Marsanne blanche. Im Gaumen ist der Süsswein, der im Wallis oft Ermitage genannt wird, äusserst aromatisch. Ein Wein für spezielle Momente! Es empfiehlt sich, die Flasche eine bis zwei Stunden vor dem Trinkgenuss zu dekantieren.

Zur beeindruckenden Persönlichkeit von Marie-Thérèse Chappaz, die mit Liebe und Instinkt, mit Handarbeit und Esprit zu Werke geht, mag der häufig genannte Ausdruck «Star» einfach nicht so recht passen. Dafür ist sie zu natürlich, zu bescheiden, zu kollegial.

Beispiele weiterer erfolgreicher Winzerinnen:
Eveline Heusser in Uster,
Martha Gantenbein in Fläsch,
Annatina Pelizzatti in Jenins,
Helene von Gugelberg in Salenegg,
Anna Barbara von der Crone in Mendrisio.

(Text: Hans Brunner, freier Gastroredaktor)
(gb)

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