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Report
Druckansicht23.04.2011
Osterhasen, Confiseriekunstwerke seit 100 Jahren, werden kreativ
Welche Confiserie macht was für eine Art von Schoggi-Hasen? Tour d’horizon durch die Schweiz.



Osterhase in der Zürcher
Confiserie Honold

Osterhasen sind ein Blickfang. Mit individuellem und kunstvollem Design können handwerkliche Confiserien Kompetenz demonstrieren. Aber auch Schokoladefabriken lancieren immer mehr kreative und originelle Hasen. Im Trend sind dunkle Schokolade, schwarz-braun-weisse Schokoladekombinationen und Farbstriche mit Dekormasse. Nebst Hasen, die Motorrad fahren, Fussball spielen oder eine Ente heiraten gibt es viele weitere Ideen – es müssen auch nicht immer Hasen oder Enten sein. Und sie bestehen nicht immer aus Schokolade. Einige haben sogar drei Ohren.


Mit drei Ohren: «da ist mehr dran», so der Werbespruch der Zürcher Confiserie St.Jakob. Ob der Hase mit zwei Ohren gewogen und dann das dritte gratis dazugegeben wird, ist noch Gegenstand von Recherchen.


In Zürich zum Dritten: Schaufenster der Confiserie Sprüngli. Professionell gestaltet, nur die auffälligen Preisschilder stören das perfekte Bild.


Bunny Gaga & Co - trendig und pfiffig bei Bachmann in Luzern.



Für eine Grossfamilie: Einzelstück in der Confiserie Suteria in Solothurn. Preis 450 Franken.

Der Hase versinnbildlicht den Wunsch nach Fruchtbarkeit. Schon auf einer alten griechischen Abbildung sehen wir neben einem Hasen ein Ei, das sich in uralten Glaubensanschauungen als Schöpfungs- und Fruchtbarkeitssymbol zeigt und als solches ist seine Verknüpfung mit dem christlichen Auferstehungsfest denkbar. Früher waren nebst dem Hasen auch andere Tiere und Dinge an Ostern aktiv.

Das erste sichere Zeugnis für den Osterhasen datiert aus Deutschland aus dem Jahr 1682. Für die Deutschschweiz ist er 1789 schriftlich belegt. Der Osterhase, der die Eier bringt und die Kinder erfreut, wurde also von Norden her importiert und setzte sich bei uns erst in der Zeit um 1900 als Confiserieartikel allgemein durch. Schokoladehasen wurden in Blechformen gegossen und zahlreiche Abbildungen auf Gruss- und Glückwunschkarten zu Ostern trugen zu ihrem Erfolg bei.

Früher war dies anders: In der Romandie, vor allem in der Ajoie, war es die Kirchenglocke, die laut Kindermeinung die Ostereier brachte, in der Innerschweiz und im Kanton Bern der Kuckuck.



Feminin und elegant
bei Merz in Chur







Originell bei
Bachmann in Basel:
Misch-Ehe von
Hase und Ente




Mit Humor
bei Speck in Zug.
Neugierige essen hier
nicht zuerst die Ohren
sondern das Feigenblatt.


Ostern, die Auferstehung Jesu, war lange Zeit der bedeutendste Festtag im christlichen Kirchenjahr und wurde erst in den letzten Jahrzehnten durch das Weihnachtsfest mit seinem Geschenkzirkus überrundet. Wie andere Weltreligionen kennt das Christentum eine Zeit der Busse und Enthaltung: die 40-tägige Fastenzeit, die mit Aschermittwoch beginnt. An Ostern war die Fastenzeit endlich vorbei. Die kleineren und grösseren Leckerbissen wurden mit Sehnsucht erwartet und das Osterfest gebührend gefeiert.


Osterhasen sind nicht immer Hasen: Osterkühe bei Steinmann in Thun.



Osterschwein bei Aeschbach in Cham.


Auch in Frankreich gibt es kreative Confiserien wie hier Caprices in Mulhouse.



Einige Schweizer Schokoladeindustrien sind sehr aktiv im Segment der Osterhasen. Die Supermärkte bieten sie zu sehr tiefen Preisen an.

Beispiel im Bild:
Economyhase von Chocolat Frey, der Migroseigenen Schokoladefabrik. Sie ist nach eigenen Angaben Marktleader unter den Schweizer Schokoladenherstellern. Das Unternehmen wurde 1887 gegründet und trägt seit dieser Zeit massgeblich zur Entwicklung der heutigen Schweizer Schokoladenkompetenz bei.

Einige Facts und Figures von Chocolat Frey:
  • Chocolat Frey AG produziert jedes Jahr mehr als 6 Mio. Osterhasen und andere Osterfiguren.
  • Das gesamte Ostersortiment von Chocolat Frey AG umfasst über 150 verschiedene Schokoladenprodukte.
  • Der schwerste Osterhase von Chocolat Frey AG wiegt 1‘400g, der leichteste nur 18g.
  • Chocolat Frey AG liefert an Ostern eine Gesamtmenge von nahezu 2‘500 Tonnen Schokolade aus.
  • Keiner der ausgelieferten Hasen wird zurückgenommen und eingeschmolzen.
  • Chocolat Frey AG produziert seit mehr als 100 Jahren Schokoladen-Osterhasen.

Zweites Beispiel für einen weltweit erfolgreichen Osterhasen: der Goldhase von Lindt. Notabene: In der markenrechtlichen Auseinandersetzung mit der österreichischen Firma Franz Hauswirth GmbH hat das Handelsgericht Wien dem Klageantrag von Lindt & Sprüngli AG am 31. März 2011 stattgegeben: Hauswirth muss die Produktion und den Vertrieb seines in Goldfolie gewickelten und mit roter Schleife versehenen Schokoladenosterhasen einstellen, da Verwechslungsgefahr mit der von Lindt & Sprüngli eingetragenen und EU-weit geschützten dreidimensionalen Marke „Goldhase“ besteht.



Osterhasen bestehen nicht immer aus Schokolade, Nougat, Marzipan oder Zucker. Beispiel: Brothase von der Bäckerei Wick in Rapperswil.


Osterhasen aus Salamibrät der Freiburger Metzgerei Götschmann.


Künstlerisch gestaltete Papierhasen und Papierhühner in der Zürcher Confiserie Teuscher.

(gb)

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