Foodfachzeitung im Internet
Admin aufrufen
Montag, 26. Februar 2024
Tipp
04.02.2024
Messtechnik im Fokus der Anuga FoodTEc 2024

Die Technikmesse rückt smarte Sensorik und Automation für die Lebensmittelindustrie in den Fokus: 19. - 22. März 2024 in Köln
Ecke für Profis
Druckansicht 01.01.2021
.BÄCKEREI: Der 6. Januar und sein Dreikönigskuchen
Ein uralter Brauch aus dem Reich der Römer vor 2000 Jahren wurde in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vom Bäcker-Konditor-Gewerbe wiederbelebt und ist seither nicht mehr wegzudenken.


Der Dreikönigskuchen (im Bild von der Zürcher Bäckerei Stocker) ist ein süsses Zopf-Gebäck in Ringform, oft mit Hagelzucker, Mandeln und kandierten Früchten und vor allem mit einem versteckten König-Figürchen und der goldenen Papierkrone.


Der Dreikönigskuchen ist in der ganzen Schweiz bekannt: im Tessin als Torta dei re magi und in der Westschweiz als gâteau oder galette des rois oder als couronne. Seinen Ursprung hat er im alten Rom. Zu Ehren des Saatengottes Saturn wurde alljährlich nach ausgebrachter Wintersaat ein Volksfest veranstaltet. Dabei versteckte man in einem Kuchen eine Bohne. Wer sie fand, wurde Bohnenkönig und durfte – selbst als Sklave – für einen Tag einen Hofstaat ernennen. Seinen Wünschen war, in beschränktem Rahmen freilich, zu folgen. Aufgrund dieser äusseren Ähnlichkeit wird das römische Volksfest der Saturnalien als direkter Vorläufer des heutigen Brauches rund um den Dreikönigskuchen herangezogen.

Heute wird der Brauch zu Ehren der heiligen drei Könige oder der drei Weisen aus dem Morgenland, wie sie im Evangelium genannt werden, praktiziert. Die drei Magier, die dem Stern folgend die Krippe in Bethlehem fanden, wurden im Europa des 12./13. Jahrhunderts zu den drei Königen Caspar, Melchior und Balthasar. Ihre Verehrung ist seit dem Hochmittelalter in vielen Regionen Europas populär. Je nach Ort und Zeit sind die Bräuche rings um Dreikönig verschieden ausgestaltet. Ihnen gemein ist aber, dass mit dem 6. Januar die Weihnachtszeit endet.

Ein Fest – ein besonderes Gebäck

Der Dreikönigstag ist also ein grosser Festtag und ein wichtiger Termin im Jahreslauf. Mit ihm beginnt vielerorts auch die Fastnachtszeit. Der Dreikönigskuchen unterstreicht den Stellenwert des Tages: In England beispielsweise wurden Trauringe, Geldstücke oder Fingerhüte eingebacken, die auf künftige Ehe, Reichtum oder Ledigbleiben deuteten. Über England und Frankreich begann sich der Bohnenkuchen im deutschsprachigen Raum zu verbreiten, doch wurden nebst Bohnen auch Geldstücke oder Mandeln in den Kuchen eingebacken.

In unserem Land wurde der uralte Brauch rund um den Kuchen lange Zeit vernachlässigt. In den 1930er und 1940er Jahren war er in der Romandie verbreitet, doch teils am Aussterben. Die Deutschschweizer kannten den Dreikönigskuchen kaum, bis sich Anfang der 1950er Jahre der Schweizerische Bäcker-Konditorenmeister-Verband (SBKV) gemeinsam mit dem passionierten Brot- und Gebäckforscher Dr.h.c. Max Währen landesweit für eine Wiederbelebung beziehungsweise eine Neuschaffung einsetzte.

Die Bäcker-Fachschule Richemont in Luzern kreierte damals das noch heute bewährte Rezept für einen passenden süssen Kuchen. Dieser wird aus Hefeteig hergestellt, besteht aus einem grösseren runden Mittelstück und rundum kleineren kugelförmigen Ballen. In einem davon verbirgt sich ein Königsfigürchen. Wer es beim Essen in seinem leckeren Kuchenstück findet, darf die golden glänzende Papierkrone aufsetzen und sich dies oder das wünschen – mit wenig Aufwand wird ein heiterer Moment inszeniert, der sich je nach Region und Familie verschieden ausgestalten lässt.

Eines der beliebtesten Gebäcke

Die Initianten propagierten den Dreikönigskuchen 1952 in zahlreichen Medienauftritten. Bereits im ersten Jahr wurden 50'000 Kuchen verkauft, innert weniger Jahre verdoppelte sich diese Zahl, womit der schöne Brauch vor dem Zerfall gerettet werden konnte. Heute finden um die 1,5 Millionen Kuchen ihre begeisterten Abnehmer. Damit entwickelte sich der Dreikönigskuchen in den letzten 50 Jahren zum beliebtesten und am weitesten verbreiteten Brauchtumsgebäck der Schweiz. Der Dreikönigstag wird praktisch in jeder Familie und an jedem Arbeitsplatz begangen – und Tausende lassen sich für einen Tag zum König krönen. (Text: SBC / Schweizerisches Archiv für Brot- und Gebäckkunde)


Der «Dreikönigskuchen für Singles», der aus einem einzelnen Stück besteht, ist zwar als Scherzartikel gemeint. Aber vielleicht hat er Marktchancen, denn die Zahl der Single-Haushalte nimmt stetig zu. Dieser Protoyp, gebacken von der Zürcher St. Jakob-Bäckerei, lässt sich variieren:

Mit Königfigur und Krone: für Möchte-gern-Monarchen

Mit Krone aber ohne Königfigur: für Putschisten, welche sich die Krone ohne Legitimation aneignen.

Mit Königfigur aber ohne Krone: für graue Eminenzen, welche auf die Insignien der Macht verzichten und lieber im Hintergrund die Fäden ziehen.

Ohne beides: für reine Kuchenliebhaber mit anarchistischen Neigungen.

Mit Königin und Krone: nur scheinbar politisch korrekt (was wenn der Gewinner ein Mann ist?)

Mit König und Königin plus 1 Krone: könnte zu einem Streit um die Krone ausarten

Mit König und Königin plus 2 Kronen: wirklich politisch korrekt


Auch einen «Dreier» (im nächsten Bild, von der Zürcher Bäckerei Stocker) kann man politisch korrekt bestücken mit je einem König (Bild links) und einer Königin (Bild rechts). Ins dritte Stück könnte man einen Prinzen oder eine Prinzessin stecken, um die Familie zu komplettieren.


Übrigens: Ein Profi-Bäcker findet mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne zu probieren heraus, welches Stück im Dreikönigskuchen die Figur enthält. Er dreht den Kuchen um und sucht auf der Rückseite nach einer Unregelmässigkeit, welche ein Indiz bedeuten könnte. Der Grund: alle Teile werden in der Bäckerei maschinell und daher regelmässig rundgewirkt. Aber das Eine glättet der Bäcker von Hand, nachdem er das Figürchen hineingesteckt hat. Und so perfekt wie die Maschine kann er die Teiglinge manuell nicht «schleifen». (GB)
(gb)

Ecke für Profis – die neuesten Beiträge
23.02.2024
d.DETAILHANDEL: Biofachmesse im Rückblick: Die besten Bioprodukte
16.02.2024
d.BÄCKEREI: Neue Proteine revolutionieren glutenfreie Backwaren
09.02.2024
d.MOLKEREI: Gelungener Start der CHEESEAFFAIR
02.02.2024
d.CONFISERIE: Trends und Top-Innovationen der ISM 2024
26.01.2024
d.TECHNOLOGIE: Hoch- / Minimal-Verarbeitung richtig kommunizieren
19.01.2024 d.KONDITOREI: Glacé-Neuheiten und -Trends
12.01.2024 d.METZGEREI: Zweinutzungs-Hühner schmecken besser
05.01.2024 d.VERPACKUNG: Trend zu leichteren, besser recyclebaren Materialien
22.12.2023 d.GASTRONOMIE: Schweizer Schaumweine im Aufwind
15.12.2023 d .ERNÄHRUNG: Wie gesund ist pflanzenbasierte Kost wirklich?
08.12.2023 d .LANDWIRTSCHAFT: Schweizer Weinjahr 2023
01.12.2023 d.BÄCKEREI: Offiziell beste Schweizer Bäcker-Confiseure 2023
24.11.2023 dMETZGEREI: Gérard Bigler ist Schweizer Metzger 2023
17.11.2023 d.LANDWIRTSCHAFT: Ausstieg aus Kükentöten ist beschlossen
10.11.2023 d.KONDITOREI: So gelingen locker-saftige Muffins
03.11.2023 d .HYGIENE: Lebensmittel-Sicherheitskultur dank richtigem Verhalten der Mitarbeitenden
27.10.2023 d.METZGEREI: Süffa 2023 im Rückblick
20.10.2023 d.BÄCKEREI: Innovative Backunterlage statt Bleche mit Papier
13.10.2023 d.ERNÄHRUNG: Sind Pflanzendrinks eine Alternative zu Milch?
06.10.2023 d.TECHNOLOGIE: Heissluft-Fritieren im Trend
29.09.2023 d.ERNÄHRUNG: Nahrungsmittelbilanz 2023 und -Trend für die Schweiz
22.09.2023 d.TECHNOLOGIE: Künstliche Intelligenz löst kreative Aufgaben
15.09.2023 d.KONDITOREI: Geheimnis des cremigen Zuckerfondants erforscht
08.09.2023 d.METZGEREI: Ausbein-Meisterschaft 2023 im Rückblick
01.09.2023 d.BÄCKEREI: Geschmacksgeheimnis von Sauerteigbrot entschlüsselt
25.08.2023 d.METZGEREI: Ausgeklügelte Fleisch-Marinaden
18.08.2023 d.GASTRONOMIE: Pelletgrill ist verlässlich und umweltschonend
11.08.2023 d .MOLKEREI: Vegane Milchalternativen – landspezifische Unterschiede
04.08.2023 d.TECHNOLOGIE: Innovationen der Foodbranche im Überblick
28.07.2023 d.KONDITOREI: Trends bei Geliermitteln
Ecke für Profis
23.02.2024
.DETAILHANDEL: Biofachmesse im Rückblick: Die besten Bioprodukte

Mitte Februar traf sich die internationale Bio-Lebensmittel- und Naturkosmetik-Community in Nürnberg an der BIOFACH und VIVANESS. Rückblick und Gewinner des Best New Product Award.




Navigations-Tipp:
Für die Smartphone-Ansicht klicken Sie auf Druckansicht.



©opyrights ...by ask, ralph kradolfer, switzerland