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KOMMENTAR: Fleisch oder Alternativen? Sowohl als auch!

Alternativprodukte zu Fleisch und Milch haben grosses Potenzial, um das Ernährungssystem nachhaltiger zu machen. Steigt deren Konsum, könnte es laut Fachleuten zu einem Rückgang der Tierhaltung kommen. Tierhaltende Betriebe sehen das kritisch, kämpfen sie doch heute schon vielfach um ihre Existenz. Wie berechtigt Zukunftsängste aufgrund sinkenden Fleischkonsums in der heimischen Landwirtschaft sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Laut Prof. Dr. Achim Spiller von der Georg-August-Universität Göttingen, Agrarökonom und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE), ist die Zukunft der Ernährung kein Entweder-oder zwischen Alternativprodukten und tierischen Erzeugnissen, sondern ein Sowohl-als-auch. Der Wandel hin zu mehr pflanzlichen und biotechnologischen Alternativen zu Fleisch und Milch sei zwar sinnvoll und werde kommen – allerdings langsamer, als manche hitzige Debatte suggeriert, so Prof. Spiller auf dem Fachportal topagrar.com.

Wenn landwirtschaftliche Betriebe offen auf die Entwicklung reagieren, könnten sich sogar neue Chancen ergeben. So könnten Regionalmarketing und Handwerk im Bereich der pflanzlichen Alternativen interessante Nischen sein.

In seinem aktuellen Gutachten geht der WBAE davon aus, dass die Ernährungswende zu mehr pflanzlichen Alternativen für tierhaltende Betriebe verkraftbar sein wird. Denn voraussichtlich werde es nicht zu einem abrupten Umbruch kommen, sondern zu einem graduellen Wandel über mehrere Jahrzehnte. Der Grund: Essgewohnheiten sind tief verankert und ändern sich daher nur langsam. Zudem müssen sich Alternativprodukte erst noch breiter durchsetzen – geschmacklich, preislich und kulturell.

Ein weiterer Aspekt: Tierhaltung und tierische Produkte sind in bestimmten Produktionssystemen agrarökologisch sinnvoll, zum Beispiel auf Grünland. Denn Wiesen und Weiden können oft nicht für den Anbau von Lebensmitteln genutzt werden. Wiederkäuer wie Rinder, Schafe oder Ziegen können aber das auf diesen Flächen wachsende Gras in Milch und Fleisch umwandeln. Darüber hinaus hat die Grünlandnutzung noch einige ökologische Vorteile: Die Biodiversität wird gefördert, CO2 im Boden gespeichert und dieser vor Erosion geschützt.

Marktanalysen zeigen ausserdem, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher offen für Alternativen zu tierischen Produkten sind, aber trotzdem parallel noch Fleisch, Milch und Co. konsumieren. Nach Meinung von Prof. Spiller wird es für hochwertige, tiergerechte Produkte mit nachvollziehbarer Herkunft auch in Zukunft einen Markt geben – besonders, wenn Landwirte aktiv kommunizieren, wofür sie stehen. So werde die Tierhaltung in den kommenden Jahrzehnten ein wichtiger Teil des Ernährungssystems bleiben. (BZfE)
(gb)

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