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KOMMENTAR: Gesundheitskosten senken mit Zuckersteuer

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, dass maximal zehn Prozent des Energiebedarfs durch Zucker gedeckt werden soll, was in etwa 50 Gramm pro Kopf und Tag entspricht. Im Durchschnitt liegt der Zuckerkonsum beim Doppelten. Aber er variiert stark innerhalb der Bevölkerung. Nur ein Teil sind «Heavy users», Entsprechend stark wäre für diese die Zuckerkonsumsenkung.

Hoher Zuckerkonsum erhöht das Risiko für Übergewicht und mehrere Volkskrankheiten wie Diabetes und Infakte. Um ihn zu senken, haben weltweit schon hundert Länder eine Zuckersteuer auf überzuckerte Süssgetränke eingeführt. Grossbritannien führte vor fünf Jahren eine Zuckersteuer ein – gegen heftigen Widerstand der Industrie. Dadurch wurden zuckerreiche Getränke teurer und Drinks mit reduziertem Zuckergehalt deutlich günstiger. Dadurch verringerte sich die Zuckeraufnahme bei Jugendlichen um rund 30 Prozent.

Auch in der Schweiz wird die Zuckersteuer diskutiert, um die Gesundheitskosten zu senken. Aber die Stimmbürger wünschen sich in Ernährungsfragen Eigenverantwortung und Aufklärung statt Restriktion gemäss dem Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten SMS: Eine Mehrheit lehne eine Steuer auf zucker‑, salz- und fetthaltige Lebensmittel ab.

Im 2024 erreichte der Anteil jener, die sich damit anfreunden könnten, 28 Prozent. 70 Prozent sind nicht einverstanden mit einer solchen Steuer. 77 Prozent finden eine Zuckersteuer ungerecht, weil sie Ärmere stärker belastet. 74 Prozent sind überzeugt, dass sich Ernährungsgewohnheiten nicht mit Steuern ändern lassen. 72 Prozent denken, dass nicht Lebensmittel entscheidend sind, sondern Essgewohnheiten. 96 Prozent sind der Ansicht, dass sogenannter versteckter Zucker aus Lebensmitteln verschwinden sollte.

Linke sympathisieren mit der Idee der Zuckersteuer, Bürgerliche halten sie für eine Bevormundung. Bislang sprach sich das Parlament gegen eine Zuckersteuer aus. Dafür spricht das Verursacherprinzip. Wenn die Konsumenten alle Kosten selbst tragen, sollen sie dem Zucker in Eigenverantwortung frönen dürfen.

Auf Zustimmung würden gemäss SMS Projekte stossen, die der Staat mit der Wirtschaft realisiert, wie zum Beispiel die Zuckerreduktion im Rahmen der Erklärung von Mailand: 24 Schweizer Unternehmen wie z.B. Coca-Cola, Ramseier und Rivella verpflichten sich, den Zucker in ihren Produkten freiwillig bis Ende 2024 um 10 bis 15% zu senken. Die Zuckerreduktion muss in kleinen Schritten erfolgen, damit diese von den Konsument:innen sensorisch akzeptiert wird.

Allerdings: Die Schweiz macht bereits gute Erfahrungen mit der Besteuerung von Alkohol und Tabak, deren Konsum vor allem dank der starken Verteuerung unter Kontrolle gehalten wird. Freiwillige Massnahmen müssen gemäss der Foederation der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien Fial Vorrang vor regulatorischen haben. Ob die Freiwilligkeit genügend Wirkung zeigt, wird man dann prüfen müssen. Die Fial weist darauf hin, dass die Schweiz nicht isoliert betrachtet werden darf. Wenn nur Schweizer Hersteller von Massnahmen betroffen sind, nicht aber Importprodukte, wird sich der Konsum auf diese verlagern. Dadurch werden die Schweizer Hersteller benachteiligt, während den Konsument:innen nicht gedient ist.

Ob es in der Schweiz eine Zuckersteuer braucht oder nicht, muss politisch entschieden werden durch Abwägen der wichtigsten Vor- und Nachteile, nicht nur der gesundheitlichen sondern auch der wirtschaftlichen. Dass dies praktikabel ist, belegen die guten Erfahrungen mit der Besteuerung von Alkohol und Tabak – ebenfalls ein Zielkonflikt zwischen Gesundheit und Wirtschaft. Trotzdem sehen viele Fachleute die Zuckersteuer nur als eine von mehreren Massnahmen. Dies gilt ja auch bei Alkohol und Tabak.

Müsste man gleichzeitig auch Süssstoffe besteuern, die ebenfalls gesundheitlich in der Kritik stehen – jedenfalls bei starkem Konsum? Das ist eine Grundsatzfrage, in die dann aber konsequenterweise ähnlich riskante Komponenten wie Salz, Glutamat oder Coffein miteinbezogen werden müssten. (GB)
(gb)

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