Foodfachzeitung im Internet
Admin aufrufen
Mittwoch, 17. Juni 2026
Report
Druckansicht 25.04.2026
Einheimische Weine gewinnen Marktanteile

Konsumenten in der Schweiz trinken erneut weniger Wein, allerdings greifen sie innerhalb dieses schrumpfenden Marktes häufiger zu einheimischen Weinen. Laut Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) sank der gesamte Weinkonsum 2025 auf 211,2 Millionen Liter – das sind 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Zugleich stieg der Konsum von Schweizer Wein um 2,3 Prozent auf 79,2 Millionen Liter. Der Marktanteil der Schweizer Weine kletterte damit von 35,5 auf 37,5 Prozent.

Besonders deutlich zeigt sich die Verschiebung beim Vergleich mit den Importweinen. Während der Konsum ausländischer Weine 2025 um 6,4 Prozent auf 132 Millionen Liter zurückging, legte Schweizer Wein zu. Vor allem Schweizer Rotwein gewann an Boden: Sein Konsum stieg um etwas über 4 Prozent auf gut 39 Millionen Liter. Schweizer Weisswein blieb mit rund 40 Millionen Litern ebenfalls leicht im Plus. Bei den ausländischen Weinen brach vor allem der Rotweinkonsum ein, während Weisswein aus dem Ausland knapp zulegte.

Für die Branche ist das ein willkommenes Signal. Swiss Wine Promotion, das Promotionsorgan des Branchenverbands Schweizer Reben und Weine, wertet die Entwicklung als Hinweis darauf, dass Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten vermehrt auf Produkte setzen, die sie mit Qualität, Authentizität und Nähe verbinden. Gleichzeitig betont die Organisation aber auch, dass sich der Markt verändert und neue Chancen gezielt genutzt werden müssen.

Mehr Marktanteil – aber kein Wachstum des Gesamtmarkts

So erfreulich der gestiegene Marktanteil aus Sicht der Branche ist: Er reicht nicht aus, um die strukturellen Probleme auszugleichen. Denn der Gesamtmarkt schrumpft weiter. 2025 wurde vor allem weniger Rotwein konsumiert; der Rückgang betrug 5,5 Prozent. Weisswein legte dagegen leicht um 0,5 Prozent zu. Auch der Schaumweinkonsum war mit minus 6 Prozent rückläufig und fiel auf 21,5 Millionen Liter.

Auch die Importseite zeigt die angespannte Marktlage: 2025 wurden insgesamt 155 Millionen Liter Wein in die Schweiz eingeführt – knapp 5 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders stark gingen die Rotweinimporte zurück. Das Zollkontingent von 170 Millionen Litern wurde erneut nicht ausgeschöpft.

Produziert wurde 2025 in der Schweiz mehr Wein als im schwachen Vorjahr. Die Ernte erreichte 82 Millionen Liter und lag damit 9,3 Prozent über 2024. Dennoch blieb sie noch immer 8,8 Prozent unter dem Zehnjahresdurchschnitt von 90 Millionen Litern. Das Weinjahr verlief gemäss BLW insgesamt mehrheitlich günstig: Ein trockener und milder Jahresbeginn begünstigte die Blüte, auch wenn Regenereignisse im Juni lokal Probleme verursachten. Die Lese setzte eher früh ein und wurde im Spätsommer teils von Niederschlägen begleitet.

Rosé und Schaumwein als mögliche Hebel

Swiss Wine Promotion sieht Chancen vor allem dort, wo Schweizer Weine heute noch untervertreten sind – so zeichneten sich insbesondere bei Rosé- und Schaumweinen Entwicklungsmöglichkeiten ab. Im Einzelhandel legten Schweizer Roséweine 2025 laut dem Schweizerischen Observatorium des Weinmarktes um 8 Prozent zu.

Bei Schaumweinen ist der Schweizer Marktanteil mit 5 Prozent zwar noch klein, aus Sicht der Branchenorganisation aber ausbaufähig.

Auch die BLW-Statistik deutet an, dass in diesen Segmenten Bewegung steckt. Der Konsum von Schweizer Rosé stieg 2025 von 48’141 auf 55’954 Hektoliter. Schweizer Schaumwein legte von 3’749 auf 3’993 Hektoliter zu – allerdings von deutlich tieferem Niveau aus. Das spricht dafür, dass einzelne Nischen an Bedeutung gewinnen, auch wenn sie den allgemeinen Marktrückgang bislang nicht kompensieren können.

Unter dem Strich zeigt das Weinjahr 2025 damit ein widersprüchliches Bild: Schweizer Wein kann sich in einem schwieriger werdenden Markt behaupten und gewinnt Marktanteile. Gleichzeitig schrumpft der Gesamtmarkt weiter, die Lager bleiben hoch, und für viele Betriebe bleibt die wirtschaftliche Situation angespannt. Der Trend zugunsten einheimischer Weine ist für die Branche ermutigend – er ist aber noch kein Wendepunkt. (LID)
(gb)

Report – die neuesten Beiträge
14.06.2026
dDelikate Muscheln und Krebse aus Schweizer Gewässern
31.05.2026
d Auberginen: Mediterranes Flair aus Schweizer Anbau
17.05.2026
dErdbeeren: Süsser Höhepunkt des Frühsommers
03.05.2026
dAllzu scharf kann gesundheitlich riskant sein
25.04.2026
dEinheimische Weine gewinnen Marktanteile
10.04.2026 dBacken mit Honig
31.03.2026 d Das Ei: Wunder der Natur
23.03.2026 dMorchelsaison startet
08.03.2026 dSlow Food Markt Zürich 2026 im Rückblick
27.02.2026 dDörrfrüchte von Äpfeln über Beeren bis Steinobst
13.02.2026 d Brot backen ist Kunsthandwerk
04.02.2026 dSchweizer Büffelfleisch auf den Teller
26.01.2026 dRoggenbrot ist Brot des Jahres
14.01.2026 dGesundheitsrisiken in der Teflonpfanne?
28.12.2025 dAnstossen mit Schweiz im Glas
19.12.2025 dWeihnachten clever kochen und geniessen
11.12.2025 d Trutenbraten zum Weihnachtsfest
01.12.2025 d Lebkuchen: Duft von St. Nikolaus
23.11.2025 dMikronährstoffe bei fleischloser Ernährung
09.11.2025 dRomanesco: vitaminreicher farbenfroher Türmchenkohl
28.10.2025 dKürbis: Eine uralte Kulturpflanze im Hoch
20.10.2025 dHerbstliche Quitten richtig verarbeiten
13.10.2025 dOffiziell beste Regionalprodukte 2025
07.10.2025 dWas genau sind hochverarbeitete Lebensmittel?
29.09.2025 dSchweizer Wildfleisch – stark gefragt aber meist importiert
16.09.2025 dHigh-Protein: oft mehr Schein als Sein
09.09.2025 dSaisonales Obst und Gemüse einfrieren
31.08.2025 dVor- und Nachteile von Käse aus Milch oder vegan
22.08.2025 dETH verbessert Laborfleisch aus Rindsmuskelfasern
13.08.2025 dVielseitige gesunde proteinreiche Erbsen
©opyrights ...by ask, ralph kradolfer, switzerland