Fruktose (Fruchtzucker) wurde früher Diabetikerzucker genannt, ist aber kein ‚gesünderer‘ Zucker. Übermässiger Konsum kann die Nieren nachhaltig schädigen und das Risiko für eine chronische Nierenkrankheit (CKD) erhöhen. Besonders problematisch ist Fruktose, die in grossen Mengen industriell zugesetzt wird – etwa in Softdrinks, Energydrinks, Fruchtsäften und zahlreichen Fertigprodukten, häufig in Form von Fruktose-Glukose-Sirup oder Maissirup.
Fruktose aus frischem Obst ist nicht problematisch.
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„Fruktose ist kein ‚gesünderer‘ Zucker – im Gegenteil: In grossen Mengen kann sie über verschiedene Stoffwechselwege die Nieren massiv beeinträchtigen“, betont die DGfN. Besonders kritisch sei der Konsum zuckerhaltiger Getränke, da die Fruktose hier schnell und in hoher Konzentration aufgenommen werde. In Kombination mit Hitze und Flüssigkeitsmangel – etwa im Sommer oder bei körperlicher Anstrengung – könne dies die Nieren zusätzlich belasten.

Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e. V. DGfN empfiehlt daher, zuckergesüsste Getränke im Alltag konsequent zu reduzieren und stattdessen Wasser, ungesüssten Tee oder Kaffee ohne Zucker zu trinken.
Zugleich fordert sie die Gesundheitspolitik auf, sich den Empfehlungen der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), Bundesärztekammer und Nationaler Akademie der Wissenschaften Leopoldina zur Einführung einer Zuckersteuer anzuschliessen.
Zuckerbremse und bessere Früherkennung
Angesichts der steigenden Zahl von Menschen mit CKD fordert die DGfN wirksame gesundheitspolitische Massnahmen zur Reduktion des Zuckergehalts in Getränken und Fertigprodukten. Dazu zählen eine klare Nährwertkennzeichnung, verbindliche Reduktionsziele für zugesetzten Zucker sowie eine stärkere gesundheitliche Aufklärung.
Zugleich unterstützt die Fachgesellschaft die aktuellen politischen Debatten über eine steuerliche Lenkungswirkung bei stark gezuckerten Getränken.
Internationale Daten zeigen, dass Massnahmen wirken: In einer weltweiten Studie aus 107 Ländern (1) war der tägliche Konsum von Süssgetränken bei Schülerinnen und Schülern in Ländern mit Zuckersteuer geringer als in Ländern ohne entsprechende Abgaben. Bereits 32 Länder erheben Steuern auf Süssgetränke – mit messbarem Rückgang des Konsums.
Wie Fruktose die Niere belastet
Fruktose wird im Körper überwiegend in der Leber, aber auch in der Niere verstoffwechselt und unterscheidet sich grundlegend vom Glukosestoffwechsel. Ein hoher Fruktosekonsum begünstigt die Entstehung von Übergewicht, Fettleber und Insulinresistenz - zentrale Treiber für Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes. „Beide Erkrankungen zählen zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine CKD“, sagt Professorin Dr. med. Sylvia Stracke, Bereichsleitung Nephrologie und Hypertensiologie an der Universitätsmedizin Greifswald und Pressesprecherin der DGfN.
Zudem zeigen zahlreiche Studien, dass hohe Fruktosemengen den Harnsäurespiegel erhöhen können. „Erhöhte Harnsäure steht im Zusammenhang mit Bluthochdruck, Gicht, Nierensteinen und Entzündungsprozessen in der Niere“, so die Nephrologin. Gleichzeitig fördert Fruktose die Bildung von Fett und Entzündungen im Körper, die auch die feinen Blutgefässe der Nieren schädigen können.
Mechanismen der Nierenschädigung
Aus nephrologischer Sicht sind mehrere Mechanismen relevant:
• Harnsäureproduktion: Fruktose ist der einzige Zucker, der bei seinem Abbau zu einer vermehrten Harnsäurebildung führt. Ein dauerhaft erhöhter Harnsäurespiegel gilt als wesentlicher Faktor für Nierenschäden, Nierensteine und Entzündungen.
• Entzündungen und Verhärtung des Nierengewebes (Fibrose): Langfristig hoher Fruktosekonsum fördert entzündliche Prozesse und Fibrose.
• Energieverbrauch (ATP-Depletion): Beim Abbau von Fruktose in der Niere wird viel Energie verbraucht. Dadurch entsteht ein Energiemangel in den Zellen, der Entzündungen, oxidativen Stress, Funktionsstörungen der Gefässinnenwand (Endothel) und eine Verengung der Blutgefässe auslösen kann.
• Indirekte Effekte: Fruktose fördert Insulinresistenz, Bluthochdruck und Fettleber – Erkrankungen, die die Nierenfunktion zusätzlich verschlechtern.
Folgen für die Nierengesundheit
Ein dauerhaft hoher Konsum gezuckerter Getränke ist mit mehreren gesundheitlichen Risiken verbunden. Sylvia Stracke zählt auf:
• Erhöhtes Risiko für CKD
• Nierensteine, insbesondere Harnsäuresteine
• Albuminurie, also das vermehrte Auftreten von Eiweiss im Urin als frühes Zeichen von Nierenschäden
• Besondere Gefährdung bei Hitze und Dehydrierung, wenn zuckerhaltige Getränke den Flüssigkeitsmangel nicht ausgleichen, sondern verstärken
• Verstärkte Fettneubildung und Ablagerung sowohl als Unterhautfett wie auch als sogenanntes viszerales Fett.
Wo Fruktose überall drin steckt
„Problematisch ist nicht Fruktose aus frischem Obst, sondern vor allem der zugesetzte Fruchtzucker in industriell hergestellten Lebensmitteln“, erläutert die Nephrologin. Sie findet sich unter anderem in: Softdrinks, Energydrinks und Limonaden, „Sportdrinks“, Eistees und aromatisierten Wässern, Fruchtjoghurts, Frühstückscerealien, Müesliriegeln und Desserts und Fertigsaucen, Ketchup, Dressings sowie Backwaren und Snacks. „Viele Verbraucher unterschätzen, wie viel Fruktose sie allein über Getränke zu sich nehmen. Ein halber Liter Softdrink oder Energydrink kann bereits mehr Zucker enthalten, als für Erwachsene pro Tag empfohlen wird“, warnt sie.
Für die Nierengesundheit empfiehlt die DGfN:
• Durst mit Wasser statt mit Softdrinks oder Energydrinks löschen
• Zutatenlisten prüfen und Fruktose-Glukose-Sirup, Maissirup oder „Fruchtzucker“ möglichst meiden
• Normalgewicht anstreben und halten
• Adipositas, Bluthochdruck und Diabetes konsequent behandeln.
(Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)
(gb)