Die offizielle Ernährungspyramide gibt Regeln für gesunde ausgewogene Ernährung
|
Der Monitor Ernährung und Bewegung beobachtet die gesellschaftliche Haltung der
stimmberechtigten Bevölkerung zu Gesundheit, Ernährung und Bewegung im Verlauf
der Zeit. Im Zentrum stehen die Werthaltungen in Ernährungsfragen, aufkommende politische Issues wie auch Erwartungen an Politik und Wirtschaft. Neben diesen Hauptthemen wurden die Stimmberechtigten der Schweiz 2025 neu zum Thema Genuss rund ums
Essen und Trinken befragt.
Die Befragung wird zum zwölften Mal in dieser Form durchgeführt. Mittelfristige Trends
können so erkannt und analysiert werden.
Das Forschungsinstitut gfs.bern führte im Auftrag der Informationsgruppe Erfrischungsgetränke eine Befragung bei 1’007 Stimmberechtigten durch. Alle Befragten
wurden mittels eines «Random Digit Dialing (RDD)»-Verfahrens ausgewählt und via
Telefon befragt. Die Erhebung fand zwischen dem 10. März und dem 10. April 2025 statt
und beleuchtet zentrale Themen rund um Gesundheit, Ernährung und Bewegung. Alle
Angaben gelten bei einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit mit einem Unsicherheitsbereich von ±3.1 Prozentpunkten.
Erkenntnisse der Studie
Nach mehreren Jahren rückläufiger Entwicklung rückt das Thema Ernährung und Bewegung 2025 wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein.
Besonders der Anteil der sehr Interessierten steigt deutlich an
– ein klares Zeichen für eine neue Aufmerksamkeit, die sich auch in
einer gestiegenen Selbsteinschätzung zur Informiertheit widerspiegelt. Gleichzeitig gibt eine wachsende Zahl von Personen an, im vergangenen Jahr in Medien mit entsprechenden Inhalten in Kontakt gekommen zu sein.

Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass eine
verstärkte öffentliche Diskussion – insbesondere über klassische Informationskanäle wie Fernsehen und Zeitungen – zur erneuten Auseinandersetzung mit dem Thema beigetragen haben könnte.
Ein genauerer Blick auf die Altersgruppen zeigt, dass dieser Bedeutungszuwachs nicht flächendeckend verläuft: Während sich bei den 18 bis
39-Jährigen kaum Veränderungen zeigen, sind in den Altersgruppen
ab 40 Jahren deutliche Anstiege beim Interesse, bei der Informiertheit und bei der wahrgenommenen Wichtigkeit zu verzeichnen.
Diese
Verschiebungen decken sich mit der Mediennutzung dieser Gruppen
und legen nahe, dass insbesondere ältere Personen durch die gestiegene mediale Präsenz des Themas vermehrt erreicht und aktiviert wurden. Ernährung und Bewegung sind für sie 2025 sichtbarer
und relevanter geworden.
Zwar wird die Wichtigkeit einer ausgewogenen Ernährung zunehmend betont, doch die Haltung gegenüber staatlicher Einflussnahme
bleibt zurückhaltend. Die Zustimmung zu stark regulierenden Massnahmen wie Steuern, Werbeverboten oder Altersbeschränkungen
nimmt tendenziell ab. Gleichzeitig zeigt sich eine klare Präferenz für
Information, Aufklärung und individuelle Entscheidungsfreiheit.
Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen lassen sich dabei insbesondere im Kontext der Werbeverbote für ungesunde Kinderlebensmittel feststellen: Ältere Personen, Menschen in urbanen Regionen
sowie Sympathisant:innen bürgerlich-konservativer Parteien zeigen
sich in diesem Punkt deutlich kritischer als jüngere oder links-grün
orientierte Personen – ein Hinweis darauf, dass ideologische und demografische Faktoren bei der Bewertung staatlicher Eingriffe eine
wichtige Rolle spielen.
Kritik am Zucker in der Bevölkerung verankert

Die Forderung nach einem Verzicht auf versteckten Zucker in Fertigprodukten
erhält weiterhin sehr hohe Zustimmung. Gleichzeitig verlieren einige
Aussagen im Zusammenhang mit Regulierung von Zucker an Unterstützung. So sinkt die Zustimmung zur Aussage, Zucker sei gesundheitsschädlich und müsse eingeschränkt werden, deutlich. Auch die
generelle Zustimmung zu einer Zuckersteuer bleibt tief. Dies deutet
darauf hin, dass zwar die Skepsis gegenüber Zucker bestehen bleibt,
aber der Rückhalt für staatliche Eingriffe in diesem Bereich abnimmt.
Neben Fragen zur Gesundheit nimmt auch der Genuss eine wichtige
Rolle in der Debatte rund um Ernährung ein. Aspekte wie Geselligkeit, sorgfältige Zubereitung und hochwertige Zutaten sind für die
grosse Mehrheit relevant. Besonders deutlich ist das Bedürfnis nach
Genuss bei jüngeren Personen sowie bei jenen, die sich nach eigenen
Angaben nicht ausgewogen ernähren. Genuss wird hier womöglich
nicht als Gegensatz zu Gesundheitszielen verstanden, sondern als
ergänzender, emotionaler und sozialer Bestandteil des Essverhaltens. Das eröffnet Potenzial, Gesundheitsförderung künftig auch
stärker über genussvolle Zugänge zu denken.
(GFS Bern www.gfsbern.ch)
(gb)