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Ueli-Hof: Biobauernbetrieb mit eigener Metzgerei
Ein Kleinschlachthof, tierfreundliche Haltung, nachhaltige Produktion. So sieht der Biobauernbetrieb Ueli-Hof in St. Niklausen LU seine Aufgabe. Das lohnt sich auch wirtschaftlich.


Die Mastschweine dürfen auf der Weide des Uelihofs suhlen. Solche Weideschweine sind rar in der Schweiz.


"Wir orientieren uns an den natürlichen Bedürfnissen der Tiere", sagt Ueli Unternährer auf seinem Hof in St. Niklausen LU. Mutterkühe weiden mit ihren Kälbern unter Hochstammbäumen, während sich ebenfalls auf einer Wiese schwarz-weisse Hampshire-Schweine tummeln. Unternährer geht mit seinem Projekt "Ueli-Hof" sogar über eine tierfreundliche Haltung hinaus. Denn auch an Transport und Schlachtung stellt er besondere Anforderungen.

Von aussen sieht das neue, mit Holz verschalte Gebäude mit dem Schriftzug Ueli-Hof so gar nicht nach Schlachthof aus. "In der Schweiz werden heutzutage keine kleinen Schlachthöfe mehr gebaut", sagt Martin Schmitz, Geschäftsführer des kleinen Schlachthofes. Diese verschwinden zunehmend. Dem zum Trotz hat die Ueli-Hof AG in Ebikon im Jahr 2014 den neuen Kleinschlachthof gebaut.


Schlachthaus für Grossvieh und Schweine


Es ist eine Erzeugergemeinschaft von – wie Unternährer sagt – gleichgesinnten Biobauernfamilien aus der engen Region. An den Schlachthof fahren keine grossen Transporter an und die Tiere werden nicht am "Fliessband", sondern einzeln geschlachtet. "Wir schaffen ruhig, ohne Stress und lassen dem Tier Zeit", sagt Martin Schmitz.



Grossvieh-Betäubungsanlage


Die Transportzeit darf maximal zwei Stunden dauern, anstatt bis zu sechs Stunden gemäss Tierschutzgesetzgebung. Ausserdem werden nur Tiere von ausgewählten Betrieben angenommen, die ihre Tiere artgerecht, das heisst nach Bio-Suisse und den weitergehenden Ueli-Hof-Richtlinien halten. Transparenz ist den beteiligten Landwirten wichtig. Extra grosse Fenster sollen nicht nur viel Licht zum Arbeitsplatz bringen, sondern auch der Öffentlichkeit die Möglichkeit bieten, zuzusehen, wie der Schlachtkörper zerlegt wird. Verkauft werden die Produkte im Metzgerladen in Ebikon, Luzern und Meggen.

Wertschöpfung auf den Hof zurückholen

Die Philosophie des Ueli-Hofes macht für Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz, auch wirtschaftlich Sinn. Vom Konsumentenfranken gehe heute oft deutlich weniger als 50% an den Landwirt. Die eigentlichen Gewinner von Preisaufschlägen sind nicht die Landwirte, welche die Rohstoffe zum Beispiel Milch für Jogurts oder Milchdrinks herstellen, sondern die Verarbeiter und der Handel. Die Landwirtschaft müsse lernen, ihre Produkte selbst zu vermarkten, so wie es zum Beispiel der Ueli-Hof macht.



Biorohschinken vom Uelihof


Anstatt einfach die Rohprodukte, in diesem Fall die Tiere, dem Handel zu überlassen, bringt der Ueli-Hof ein neues, schon veredeltes Produkt auf den Markt, nämlich Bio-Fleisch aus artgerechter Tierhaltung und nachhaltiger Landwirtschaft. Die Erzeugergemeinschaft vermarktet es selbst in eigenen Metzgereien. Für Binswanger ist das ein Weg, die Wertschöpfung auf den Hof zurückzuholen.

Der "landwirtschaftlichen Tretmühle" entkommen

Die Landwirtschaft wird immer mehr dem globalen Markt ausgesetzt. "Wie soll ein Schweizer Bergbauernhof mit fünfzehn Milchkühen erfolgreich mit Grossbauernbetrieben in der EU konkurrieren, die mehrere hundert Kühe im Flachland halten?", fragt Binswanger. Hinzu kommt, dass die Landwirte als Gesamtheit trotz modernen Maschinen und höherer Arbeitsproduktivität kein grösseres Einkommen erwirtschaften, obwohl der einzelne Landwirt immer mehr Fläche bewirtschaftet und mehr produziert. Grund dafür ist, dass die Landwirte sich gegenseitig verdrängen und gleichzeitig die Preise fallen. Die Agrarökonomen sprechen von "landwirtschaftlicher Tretmühle".



Luzerner Biotrockenfleisch vom Uelihof


Zwar sind im Laden die veredelten Produkte teuer, aber an der Handelsspanne habe der Landwirt kaum Anteil, denn die Preise für die Rohprodukte wie Milch, Eier oder das ganze Tier steigen nicht. Den Schweizer Landwirten bleibe als Einkommen oft gerade einmal der Betrag, den sie als Direktzahlungen vom Staat beziehen. Aus Sicht des Volkswirtschaftlers haben Schweizer Bauern unter Marktbedingungen nur dann eine Überlebenschance, wenn sie in der Lage sind, selbstproduzierte Lebensmittel direkt an die Konsumenten zu verkaufen.

Agrarpolitik setze keine Impulse für Tierwohl

Für Hansuli Huber vom Schweizer Tierschutz STS, Initiant der Medienkonferenz, ist der Ueli-Hof ein Vorbild für Kundennähe. Hier passe das Sprichwort "Taten statt Worte". Mit zunehmender Import-Billigkonkurrenz wird eine bäuerliche und tierfreundliche Landwirtschaft nur möglich sein, wenn die Bauern an der Wertschöpfung teilnehmen, sagt Huber. Ansonsten ist der Weg zu Tierfabriken und Massentierhaltung vorprogrammiert. Leider setze die Agrarpolitik AP 2014-2017 beim Tierwohl keine Impulse, sondern überschütte stattdessen die Grossbetriebe mit Direktzahlungen. Innerhalb eines Jahres hätten solche mit jährlich über 150‘000 Franken Direktzahlungen um 56% zugenommen.


Mutterkuh-Haltung auf dem Uelihof



Konsumenten wollen keinen "Einheitsbrei"

"Es gibt zunehmend mehr Leute, die wissen wollen, was sie auf dem Teller haben", sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz SKS. Viele Konsumenten wollen keinen "Einheitsbrei" mehr, sondern fragen vermehrt nach regionalen Produkten auch beim Fleisch. Die SKS setzt sich für einen massvollen Fleischkonsum ein, sagt Stalder. Tiergerechte Haltung und Nachhaltigkeit werden für den bewusst einkaufenden Konsumenten immer wichtiger.

Die SKS ist daran, einen Labelführer zu erstellen, der zeigt, welches Label worauf Wert legt. Viele Schweizer Konsumenten verlangen immer nur die besten Fleischstücke. Doch das Tier besteht aus mehr. Das neue Koch- und Informationsbuch "Mehr als Filet und Steak" zeigt, dass sich auch daraus etwas Gutes zubereiten lässt und soll zudem der Lebensmittelverschwendung entgegen wirken. (Text: LID, Bilder: Arthur Rossetti)

(gb)

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Schweinefleisch kann mit praxistauglichen Massnahmen noch gesünder und genussvoller gemacht werden. Das zeigt ein Projekt, das im Rahmen des nationalen Forschungsprogramms 69 «Gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion» durchgeführt wurde.
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